Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt BND entarnt sich selbst
Nachrichten Politik Deutschland / Welt BND entarnt sich selbst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:31 07.06.2014
Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler will mehr Transparenz. Quelle: Stephan Jansen
Anzeige
Hannover

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat nun eine „Transparenzoffensive“ gestartet und mehrere Abhörstationen und Außenstellen im Bundesgebiet enttarnt. Beispielsweise das „Amt für Schadensabwicklung“. Künftig wird am Eingang der Behörde das Schild „Bundesnachrichtendienst“ hängen.

Dieser Schritt aus dem Schatten ins helle Licht der Öffentlichkeit wird vom BND-Chef Gerhard Schindler als Initiative für mehr Bürgernähe begründet. Keiner seiner Mitarbeiter muss sich mehr mit Schlapphut und Sonnenbrille tarnen, der moderne Spion geht erhobenen Hauptes zum täglichen Abhören von afghanischen Handygesprächen in seine Dienststelle.

Anzeige

Gleich sechs Agentendependancen werden in einem ersten Schritt umbenannt: vier in Bayern (Bad Aibling, Gablingen, Stockdorf und Söcking), eine im niedersächsischen Schöningen und eine in Rheinhausen in Baden-Württemberg. Besonders um den Tarnnamen der letzteren Dienststelle ist es extrem schade. Hieß das Gebäude, das von Schäferhunden bewacht und von riesigen Satellitenschüsseln eingerahmt wird, doch offiziell „Ionosphäreninstitut“. Was streng genommen ein guter Hinweis war, schließlich flitzen gerade in der Ionosphäre der Erde die spannenden Funksprüche auf Kurzwelle herum. Auch in Bad Aibling konnte die „Fernmeldeweitverkehrsstelle der Bundeswehr (FmWVStBw)“ zuletzt nicht mehr so recht verbergen, dass hier in Wahrheit massenhaft belauscht und mit der NSA kooperiert wird. Die Abhörkollegen aus Amerika hatten ja schon vor Jahren ihre eigene Transparenzoffensive für Deutschland gestartet – und in der Folge Millionen Telefone belauscht, Computer bespitzelt und Daten gehortet.

Nun werden also auch die Beobachter beobachtet, im  schmucken Neubau des Auslandsgeheimdienstes in Berlin soll sogar ein Besucherzentrum eingerichtet werden, auch eine Kita nach Beispiel der Bundeswehrkasernen wäre vorstellbar. Möglicherweise zeigen bald Webcams, was in den abhörsicheren Räumen an der Chausseestraße so vor sich geht.

Für manchen Agenten dürfte die neue Offenheit allerdings ungeahnte Probleme im familiären Umfeld mit sich bringen. Es wird bereits von Fällen berichtet, in denen Kinder, ja sogar Ehefrauen nicht wussten, wohin der Mann denn morgens so geht. Das könnte den Vater, der unter dem Verdacht eines drögen Innendienstlers stand, im Familien- und Freundeskreis ganz nach vorne bringen.

Harald John

Michael B. Berger 06.06.2014
06.06.2014