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Deutschland / Welt Die Briten machen den Anfang
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00:25 24.05.2014
Foto: Schlechtes Omen? Die Briten, hier der Vorsitzende der United Kingdom Independence Party Nigel Farage, starten die EU-Wahl.
Schlechtes Omen? Die Briten, hier der Vorsitzende der United Kingdom Independence Party Nigel Farage, starten die EU-Wahl. Quelle: dpa
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Das Jahr 2014 ist, global besehen, ein Superwahljahr. Die größten Demokratien bitten zur Stimmabgabe. In Indonesien sind 190 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, im Juli einen Präsidenten zu wählen, im November können 200 Millionen US-Amerikaner den Kongress wählen, und Indien mit seinen 814 Millionen wahlberechtigten Bürgern hat soeben erst seine Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abgeschlossen. Es war ein logistischer Kraftakt, der länger als einen Monat währte. Die europäischen Parlamentswahlen beanspruchen gewiss nicht so viel Zeit; immerhin aber sind es vier Tage, in denen rund 400 Millionen Wahlberechtigte  über die künftige Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses entscheiden können. Heute starten Briten und Niederländer in den Abstimmungsmarathon, am Freitag ist in Irland und Tschechien Wahltag, am Sonnabend ziehen Lettland, Malta und die Slowakei nach. Alle anderen EU-Länder lassen ihre Bürger am Sonntag abstimmen.

Schon die verschiedenen Abstimmungstermine machen deutlich, dass die Europawahl die Summe aus 28 nationalen Wahlen ist. Es gibt keinen Wahlleiter in Brüssel – jedes Land lässt seine Bürger gemäß seiner Gesetze und Gepflogenheiten abstimmen. So dürfen Österreicher schon mit 16 Jahren wählen, die Polen halten an der Fünf-Prozent-Hürde fest, in Luxemburg herrscht Wahlpflicht. Auf eines aber hat die EU-Kommission alle Mitgliedsstaaten verpflichtet: Bis Sonntag, 23 Uhr, kurz nachdem die letzten – die italienischen – Wahllokale geschlossen haben, darf kein Land offizielle amtliche Wahlergebnisse mitteilen. Die Idee dahinter ist plausibel: Die Bürger sollen sich in ihrer Wahlentscheidung nicht von den Präferenzen der Nachbarn leiten lassen.

Dennoch ist für heute Abend mit Zahlen aus den Niederlanden und aus Großbritannien zu rechnen. Denn die Informationssperre aus Brüssel gilt nicht für private Meinungsforschungsinstitute, und die werden nach Schließung der Wahllokale gewiss Hochrechnungen präsentieren – wie auch in Deutschland am Sonntag um kurz nach 18 Uhr, ob die Italiener nun ihr Kreuz schon gemacht haben oder nicht.

Zeitversetzte Wahltermine gab es schon bei früheren EU-Wahlen. Allerdings schlug nie zuvor die Stimmung der Bürger so stark aus wie zurzeit. Nicht auszuschließen, dass die Hochrechnungen aus Großbritannien Einfluss nehmen  werden auf den weiteren Wahlverlauf, denn die ohnehin schwindende Wählerbindung an eine Partei ist bei Europawahlen besonders locker. Der europafeindlichen britischen Partei Ukip trauen Demoskopen zu, stärkste Kraft auf der Insel zu werden. Sollten die Hochrechnungen dies bestätigen, könnten sich Europagegner auf dem Kontinent ermutigt fühlen, es den Briten gleichzutun und Protest zu wählen. Oder aber: dann gerade nicht.

Von Marina Kormbaki

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