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Deutschland / Welt Die DDR sollte besser als Westdeutschland sein
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11:53 19.08.2018
Professor André Steiner ist Historiker am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Quelle: ZZF

Herr Professor Steiner, die 1960er Jahre waren in den sozialistischen Ländern auch die Zeit wirtschaftlicher Experimente. Was sollte genau erreicht werden?

Streng genommen begannen die Gedankenspiele, wie Wirtschaft im Sozialismus effektiver gestaltet werden sollte, in der zweiten Hälfte der 50er Jahre. Denn es war ja zu erkennen, dass Westeuropa und die Bundesrepublik zügig auf die Beine kamen. Die Probleme wurden vor allem in der DDR sichtbar. Wie sollte sie beweisen, das bessere System zu haben, wenn die Fachkräfte in Scharen in den Westen gingen? Überholen und einholen, hieß die Devise. Die Sowjetunion wollte besser sein als die USA, die DDR besser als die Westdeutschen, die Tschechen besser als die Briten. Das war das Ziel.

Wurde es denn in der DDR besser, nachdem 1961 die Mauer gebaut worden war?

Zumindest blieben die Arbeiter in ihren Betrieben. Und es gab jetzt keine Ausreden mehr. Aber auch in den anderen sozialistischen Ländern machte man sich Gedanken über die Gestaltung der Wirtschaft. In der Sowjetunion gab es Debatten darüber, ob nicht zur Motivation kapitalistische Elemente wie der Gewinn in die Planwirtschaft integriert werden sollten. Dies wurde überall aufgegriffen und eigenständig weiterentwickelt. Aber es blieb zunächst bei Gedankenspielen.

Simulation von Marktwirtschaft

Nicht nur in der DDR tauchte ein Begriff wie Marktsozialismus auf. Was war gemeint?

Im Grunde ging es um die Simulation von Marktwirtschaft in der Planwirtschaft, indem Betriebe mehr eigenständige Entscheidungen treffen sollten. Der Partei wurde aber schnell klar, dass dann auch an ihrer Macht gerüttelt werden würde. Deshalb wurden diese Ideen dann abgewürgt.

Was lief eigentlich in Prag anders?

In der DDR ging es bei den Reformen immer um Wirtschaft, aber in engen politischen Grenzen. In der Tschechoslowakei sollte erst das politische System reformiert werden und später spielten Ideen einer unabhängigeren, an Marktmechanismen orientierten Ökonomie eine Rolle, die dann aber wegen des Einmarschs der Sowjets und ihrer Verbündeten nur noch in Ansätzen umgesetzt werden konnten. Ungarn trieb die Wirtschaftsreformen dagegen letztlich am weitesten voran.

Geplant wird überall

Wie wurde das im Wirtschaftswunderland Westdeutschland beobachtet?

Interessanterweise gab es hier in den 60er Jahren die Tendenz, Planungselemente in der Politik stärker zu nutzen, was Auffassungen begünstigte, die DDR und die Bundesrepublik stünden vor gemeinsamen industriepolitischen Herausforderungen. Deshalb würden sich die Systeme annähern. Geplant wird ja schließlich überall. Entscheidend ist die Ebene, wo geplant wird.

Machte der Prager Frühling letztlich den Wirtschaftsreformern in der DDR einen Strich durch die Rechnung?

Durch die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ wurde allen Ideen weitergehender Reformen in der Wirtschaft oder gar der Politik endgültig ein Riegel vorgeschoben. Seht, was dabei herauskommt, wenn man aus der Reihe tanzt, hieß es. Ein Totschlagsargument.

Die Leute bei Laune halten

Die DDR stieg dann Anfang der 1970er Jahre unter Erich Honecker um auf die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik. Warum?

Sie legte den Schwerpunkt auf die Konsumpolitik, um die Bedürfnisse der Bevölkerung besser zu befriedigen und die Leute so bei Laune zu halten. Die SED-Spitze hat wirklich geglaubt, sie verbessere erst den Lebensstandard, dann werde anschließend die Produktivität der Wirtschaft schon von allein steigen. Geklappt hat es nicht.

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