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Deutschland / Welt Die Nordsee wird zur Großbaustelle
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Die Nordsee wird zur Großbaustelle
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20:09 14.09.2009
Von Ralf Volke
Licht am Horizont für Deutschland als Offshore-Standort.
Licht am Horizont für Deutschland als Offshore-Standort. Quelle: ddp
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Es sind gigantische Dimensionen, in denen Wolfgang Tiefensee plant. 2500 Windräder will der Bundesbauminister in den deutschen Nord- und Ostseegewässern in den nächsten elf Jahren auf einer Fläche von insgesamt 1000 Quadratkilometern errichten lassen. Mit zusammen 12.000 Megawatt wird in den 40 geplanten Windparks (30 in der Nordsee, zehn in der Ostsee) dann ungefähr soviel Leistung installiert sein, wie in zehn großen Atomkraftwerken – wobei der Wirkungsgrad eines Windrades geringer ist als der eines Atomkraftwerks. Der tatsächlich von diesen Windrädern produzierte Strom dürfte der Leistung von drei bis vier AKW entsprechen. Aber auch das soll für zwölf Millionen Haushalte reichen. Und bis 2030 soll sich diese Leistung noch einmal verdoppeln.

Das politische Ziel zum Aufbau dieser gewaltigen Offshore-Kapazitäten gibt es schon länger. Aber jetzt herrscht auch Klarheit darüber, wo genau die Windparks vor der deutschen Küste entstehen sollen. „Auch auf See gibt es da einige Schwierigkeiten“, sagt Christian Dahlke vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) in Hamburg, das die Windparks genehmigt – oder manchmal auch nicht. Neben Fragen der Fischerei oder Rücksicht auf Schifffahrtsstraßen war es den Inselgemeinden wichtig, dass die Windräder nicht zu nah an der Küste entstehen – damit für die Touristen der freie Blick auf den Horizont nicht getrübt wird. Aus diesem Grund werden in der Windpark-Verordnung, die das Bundeskabinett morgen beschließen will, ausschließlich Gebiete jenseits der Zwölf-Meilen-Zone ausgewiesen.

Mit der Benennung der Flächen herrscht jetzt Planungssicherheit für die Investoren, die rund eine Milliarde Euro in einen Windpark mit durchschnittlich 80 Windrädern stecken. Zwar kann auch außerhalb der jetzt ausgewiesenen Flächen ein Windpark beantragt werden, aber innerhalb der sogenannten Vorranggebiete ist die Chance auf Genehmigung ungleich größer. Auf jeden Fall rechnet das BSH damit, dass der Aufbau der Windparks jetzt zügig voranschreiten wird. 22 der zunächst vorgesehenen 40 Parks sind bereits genehmigt. Erfreulicher Nebeneffekt für Norddeutschland: Durch den Aufbau der 2500 Windräder werden voraussichtlich rund 30.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Dabei sind die ersten Parks bereits im Bau. 45 Kilometer nördlich von Borkum etwa bauen die Energieversorger e.on, Vattenfall und EWE zurzeit einen kleinen Windpark mit zwölf Anlagen, der noch in diesem Jahr fertig sein und ans Netz gehen soll. Rund 50.000 Haushalte werden ihren Strom dann von Windrädern beziehen, in die 30 Meter tiefem Wasser stehen. Vor vier Wochen schon lieferten einzelne Windräder dort erstmals zu Testzwecken Strom.