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Deutschland / Welt Die Schlacht um Tripolis hat begonnen
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22:52 21.08.2011
Diktators Muammar al-Gaddafi. Quelle: dpa
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Tripolis

Rebellen meldeten am Sonntagnachmittag, der Machtwechsel sei „nur noch eine Frage von Stunden“. Auch Gerüchte über eine eilige Ausreise Gaddafis machten die Runde.

Am Sonntagabend jedoch meldete sich Gaddafi mit einem Auftritt im Staatsfernsehen zu Wort und rief die Libyer dazu auf, die Hauptstadt bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Gaddafi wandte sich in einer Audiobotschaft an die Menschen; er selbst war nicht zu sehen. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, versicherte Gaddafi, er sei noch in Tripolis, und seine Truppen würden niemals aufgeben. „Wir werden den Sieg erringen“, rief er und beschwor seine Anhänger, von überall her in die Hauptstadt zu kommen und „bis zum letzten Blutstropfen“ zu kämpfen. Gaddafi nannte die Rebellen „Ratten“, deren einziges Ziel es sei, Frankreich das libysche Öl auszuhändigen.

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Augenzeugen berichteten, am Sonntag hätten die Rebellen in Tripolis den internationalen Verkehrsflughafen eingenommen sowie den Militärflughafen Mitiga. Gaddafi-Anhänger hätten den Stadtteil Tadschura, in dem die Rebellen bereits in der Nacht die Kontrolle übernommen hatten, mit Mörsergranaten beschossen. Auch das große Viertel Souk al-Dschumaa werde inzwischen von den Rebellen beherrscht. Anwohner hörten in der Nacht auch Schüsse und Luftangriffe der Nato. Kampfjets der Nato zerstörten nach Informationen aus Brüssel am Wochenende 22 Ziele.

Die USA rechnen damit, dass Gaddafis Tage nunmehr gezählt sind. „Das libysche Volk verdient eine gerechte, demokratische und friedliche Zukunft“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Josh Earnest am Sonntag. Präsident Barack Obama hält sich nach seinen Angaben auch im Urlaub ständig über die Entwicklung in Libyen auf dem Laufenden. Zudem sei man mit dem Nationalen Übergangsrat in Libyen in engem Kontakt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel rief Gaddafi auf, die Macht schnell abzugeben. „Es wäre gut, wenn er möglichst schnell aufgibt, um Blutvergießen zu vermeiden“, sagte Merkel am Sonntag im ZDF. Außenminister Guido Westerwelle erklärte: „Jeder Tag, den Oberst Gaddafi früher das Land verlässt, ist ein guter Tag für Libyen und für das libysche Volk.“

Das libysche Fernsehen hatte in der Nacht eine vorab aufgezeichnete Rede von Gaddafis Sohn Seif al-Islam ausgestrahlt. Darin sagte dieser, es sei ausgeschlossen, dass er und sein Vater das Land verließen.

Abdulhamid al-Schuweidy und Anne-Béatrice Clasmann