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Deutschland / Welt Direktor mahnt in Buchenwald zur Umsicht
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Direktor mahnt in Buchenwald zur Umsicht
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11:48 30.05.2009
Das Buchenwald-Mahnmal von Fritz Cremer im ehemaligen Konzentrationslager (KZ) Buchenwald bei Weimar. Quelle: Steffi Loos/ddp
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Das ehemalige Konzentrationslager sei kein Museum, sagte Stiftungsdirektor Volkhard Knigge. "Hier ist es passiert, und man geht über blutgetränkten Boden, und zwar konkret, nicht symbolisch." In der Gedenkstätte gehe es "nicht um leere Pietät", sondern um das Lernen für die Zukunft. Auch dabei verbiete sich aber jede Willkür.

"Wie man diesen Ort total funktionalisiert, haben wir ja zu DDR-Zeiten erlebt", sagte der Stiftungsdirektor weiter. Nach den Worten von Knigge verbinden die Buchenwald-Überlebenden mit dem Besuch des US-Präsidenten in der kommenden Woche besondere Erwartungen, die über andere Politikervisiten hinausgehen. "Obama repräsentiert nicht irgendein Amerika", sagte der Historiker. "Hier kommt zum ersten Mal nach 1945 der Vertreter dieser Nation, der mit der Befreiung des Lagers eng verbunden ist, und der dann auch noch als Politiker dem Vermächtnis sehr nahe kommt."

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Der Leiter der Gedenkstätte verwies darauf, dass Obamas Großonkel Charlie Payne als Soldat 1945 an der Befreiung des Außenlagers Ohrdruf beteiligt war. "In diesem Sinne ist Obama zunächst einmal ein Politiker, der den Überlebenden sehr nahe steht, viel näher als andere." Buchenwald war 1945 das erste KZ-Hauptlager, das von einer Westalliierten-Armee erreicht wurde. Die Soldaten fanden dort unumstößliche Beweise für die Nazi-Verbrechen. 56.000 Häftlinge starben in Buchenwald an Folter, Experimenten und Auszehrung.

Die Überlebenden seien die "eigentlichen Hausherren" in Buchenwald, und dies "muss und sollte irgendwo seinen Platz haben", forderte Knigge. Wenn sich mit dem Besuch letztlich die Botschaft verbinde, "dass uns das extreme 20. Jahrhundert auch in Gestalt von Orten wie Buchenwald noch viel zu sagen hat, an dem wir uns orientieren können, beim Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit, dann bin ich schon froh", erklärte der Historiker, der den Besuch von Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am nächsten Freitag vorbereitet.

afp