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Deutschland / Welt Drei Kandidaten gehen auf Vorstellungstour
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22:14 08.06.2010
Von Klaus Wallbaum
„Es wäre nicht anrüchig, weiter als Ministerpräsident zu arbeiten“: Bundespräsidentenkandidat Christian Wulff in Hannover. Quelle: dpa
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Volle Terminkalender sind für Christian Wulff nichts Besonderes – doch gegenwärtig sind die Tage noch stärker verplant als bisher schon. Der Noch-Ministerpräsident aus Hannover versieht seine Amtspflichten und geht parallel auf Tingeltour durch das Land – um sich denen vorzustellen, die ihn in der Bundesversammlung am 30. Juni wählen sollen.

Ob es auch Anfragen von SPD, Grünen oder Linken gibt? „Bisher nicht“, sagt Wulff, nachdem er am Dienstag im Gästehaus der Landesregierung eine musizierende Schülergruppe unter dem Motto „Klasse, wir singen“ empfangen und verabschiedet hat. Aber prinzipiell sei er auch dazu gern bereit.

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Ein Dutzend Mikrophone ist an diesem Dienstag auch während eigentlich nebensächlicher Termine auf ihn gerichtet, so etwas hat er im Amt des Ministerpräsidenten nur selten erlebt. Wulff weiß, dass er seine Worte genau wägen muss. Jeder Missgriff, jeder Fehltritt in diesen Tagen könnte ihn ein Stück Zustimmung in der Bundesversammlung kosten.

Montag erst CDU-Fraktion im Landtag, danach Vorstellung bei der CSU-Landesgruppe in Berlin. Am Dienstagmorgen das Landeskabinett, danach Pressekonferenz, dann Trauerfeier für die verunglückten Bombenentschärfer und gleich anschließend Landtagssitzung. Dort bitten ihn Besucher, sich neben ihnen ablichten zu lassen. Wulff ist auf Achse und feilt parallel noch an einer ganz anderen Arbeit: „Ich bereite die Antrittsrede für den Fall meiner Wahl am 30. Juni vor“, sagt er. „Das ist die erste Rede, die vermittelt einen ersten Eindruck. Das muss gelingen.“ Ein Stab von vertrauten Mitarbeitern begleitet ihn, zugleich liefert die Parteizentrale in Berlin Unterstützung. Wulff meistert den Stress wie gewohnt freundlich und gelassen, nur einmal unterläuft ihm ein Fauxpas, als er auf eine Frage „Ursula von der Leyen und Philipp Rösler“ sagen will, aber „Ursula Rösler“ sagt. „Man soll eben nicht alles zu stark verkürzen“, sagt er entschuldigend und lächelt.

Wulff bleibt dabei, vor der Wahl zum Bundespräsidenten nicht als Ministerpräsident zurücktreten zu wollen. Es gebiete „der Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten“, nicht zu früh zu viel Siegeszuversicht auszustrahlen. Und wenn es nicht klappe mit der angepeilten Wahl zum Staatsoberhaupt, sei es für ihn „nicht anrüchig, weiter als Ministerpräsident zu arbeiten“. Dass die rasche Neuaufstellung der CDU in Niedersachsen einen solchen Rückweg zur Normalität in Hannover erschweren könnte, glaubt Wulff nicht. „Das zeigt doch nur, wie gut wir personell aufgestellt sind.“

Ohnehin ärgert Wulff, dass beim Ruf nach strikter Überparteilichkeit des Bundespräsidenten eine „Unterscheidung zwischen Menschen und politischen Menschen“ getroffen werde nach dem Motto, dass die engagierten Politiker irgendwie belastet seien. „Mit solchen Positionen habe ich große Probleme“, betont der CDU-Politiker.

Zur Vorstellungsarbeit des Kandidaten kommt noch die politische Routine, so in dieser Woche jeden Tag Landtagssitzung, dann der Bildungsgipfel in Berlin, außerdem Stellungnahmen zu aktuellen Fragen. Das von der Bundesregierung beschlossene Sparpaket etwa lobt Wulff ausdrücklich als „gute Grundlage“, er sieht darin „einen Meilenstein auf dem Weg zur Schuldenbremse“ und begrüßt, dass bei der Bildung Einschnitte vermieden worden seien.