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Deutschland / Welt EKD hält Gewalt im Notfall für unverzichtbar
Nachrichten Politik Deutschland / Welt EKD hält Gewalt im Notfall für unverzichtbar
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11:03 15.01.2010
Die Debatte um den Einsatz des Bundeswehr in Afghanistan geht weiter.
Die Debatte um den Einsatz des Bundeswehr in Afghanistan geht weiter. Quelle: ap
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Trotz des Gebotes, nicht zu töten, gebe es auch aus christlicher Perspektive Situationen, in denen Gewalt angedroht und ausgeführt werden müsse, sagte der EKD-Militärbischof Martin Dutzmann am Donnerstagabend in Hannover bei der Aufzeichnung der Phoenix-Talkshow „tacheles“.

Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hatte den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan kritisiert und damit eine öffentliche Debatte ausgelöst. „Nichts ist gut in Afghanistan“, hatte die Bischöfin mit Blick auf die Lage in dem Land gesagt. Damit war sie auf Kritik bei CDU und SPD gestoßen, Unterstützung kam von den Grünen. „Ein sofortiger Abzug ist keine Option“, sagte Dutzmann. Vielmehr müssten erreichbare und kohärente Ziele abgesteckt und das weitere militärische und zivile Vorgehen aufeinander abgestimmt werden.

In Afghanistan könne zwar nicht eine Demokratie nach westlichem Muster aufgebaut werden, elementare Menschenrechtsverletzungen aber seien nicht hinnehmbar, meinte der Militärbischof. Beim deutschen Engagement müsse dem zivilen Aufbau der Vorrang gegeben werden. Die Taliban müssten vom Westen in die Pflicht genommen werden, riet Professor Michael Wolffsohn von der Universität der Bundeswehr. „Ein Rückzug wäre ein Rückschritt.“ Die nun entfachte Diskussion über das Vorgehen in Afghanistan hätte schon zu Beginn des Einsatzes geführt werden müssen. „Man sagt uns nicht, was Sache ist, und schickt die Soldaten in eine Gefahr, die auf diese Weise nicht verantwortbar ist.“

Der Publizist und Kriegsberichterstatter Peter Scholl-Latour riet dazu, den Afghanistan-Einsatz auf die Bekämpfung des internationalen Terrorismus zu konzentrieren. Um einen westlichen Rückzug vorzubereiten, müssten die Taliban in Verhandlungen davon überzeugt werden, internationalen Terrornetzen keinen Unterschlupf mehr zu bieten. Der inzwischen auf Pakistan übergeschwappte Terrorismus bedrohe ansonsten zunehmend angrenzende Staaten der ehemaligen Sowjetunion und Russland selber.

lni

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