Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt EU-Armutsstudie verdeutlicht soziale Kluft
Nachrichten Politik Deutschland / Welt EU-Armutsstudie verdeutlicht soziale Kluft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:13 08.01.2013
Foto: Die EU-Komission hat ihren Armutsbericht vorgelet: es gibt eine dramatische Spaltung zwischen Nord und Süd.
Die EU-Komission hat ihren Armutsbericht vorgelet: es gibt eine dramatische Spaltung zwischen Nord und Süd. Quelle: dpa
Anzeige
Brüssel

„Der Trend ist besorgniserregend“, stellte EU-Sozialkommissar László Andor fest, der am Dienstag in Brüssel die jüngsten Zahlen präsentierte. Es gebe eine „neue Kluft“ innerhalb der Union.

Während es Mitgliedsstaaten wie Deutschland, Österreich und den Niederlanden vergleichsweise gut geht, rutschen die südlichen und östlichen Länder immer tiefer in den Abgrund. Vor fünf Jahren lag die Quote der Erwerbslosen zwischen Nord und Süd nahezu gleichauf. Heute klaffen 7,5 Prozentpunkte dazwischen. Allein in Griechenland stieg die Zahl der Arbeitslosen im zurückliegenden Jahr um 7,1 auf 26,0 Prozent. Parallel dazu rutschen die Einkommen in den betroffenen Regionen immer weiter ab: Griechische Familien müssen heute mit 17 Prozent weniger auskommen als noch 2009, in Spanien sind es acht Prozent, auf Zypern sieben Prozent. Dagegen legten die Einkommen in Deutschland trotz Krise spürbar zu.

„2012 war ein schlechtes Jahr für Europa, was die Arbeitslosigkeit und die sich verschlechternde soziale Lage angeht“, sagte Andor. Eine deutliche Verbesserung sei unwahrscheinlich, weil der Kampf gegen die Euro-Krise und die soziale Ausgrenzung nur langsam Fortschritte zeige. Die Schere zwischen Ländern, die in einer Abwärtsspirale aus abnehmender Arbeitsleistung, schnell steigender Jugendarbeitslosigkeit und sinkenden Einkommen gefangen seien, sowie jenen mit robusten Sozialsystemen und reformierten Arbeitsmärkten klaffe immer weiter auseinander. Besonders von Armut bedroht sind nach den EU-Zahlen neben jungen Menschen arbeitslose Frauen sowie alleinerziehende Mütter.

Zu den Opfern der Krise gehören auch jene Erwerbstätige, die schon über einen längeren Zeitraum ohne Beschäftigung sind. Die Quote der Langzeitarbeitslosen schnellte zwischen 2009 und 2012 von drei auf 4,6 Prozent hoch. In den Ländern des Baltikums ist inzwischen jeder siebte dauerhaft ohne Arbeit.

Die Analyse der EU-Kommission zeigt aber auch, dass die neue soziale Frage nicht selten hausgemacht ist. Wichtige Reformen am Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft seien über viele Jahre verschlafen worden. Die Entwicklung neuer Jobs durch moderne Industriezweige wurde nicht in Angriff genommen. Konkret nannte Andor Arbeitsplätze in der Umweltbranche, der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie im Gesundheitssektor. „Moderne Sozialsysteme für Arbeitslose, aktive Arbeitsmarkpolitik und eine Ausrichtung der Politik an der Erhaltung von Jobs sind die Garanten für eine Verbesserung der Lage“, heißt es in der Stellungnahme aus Brüssel. Als Beispiel für eine vorausschauende, stabilisierende Entwicklung werden übrigens die Hartz-IV-Reformen in Deutschland genannt. Sie tauchen im Bericht des Sozialkommissars gleich viermal als Begründung dafür auf, dass es die Bundesrepublik bisher so stabil durch die Krise geschafft habe.

von Detlef Drewes