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Deutschland / Welt Zweifel an Kroatien bleiben
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11:24 28.06.2013
Kroatien wird am Sonntag mit seinem Beitritt zur EU das 28. Mitgliedsland im Verbund sein.
Kroatien wird am Sonntag mit seinem Beitritt zur EU das 28. Mitgliedsland im Verbund sein. Quelle: dpa
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Zagreb

Kroatien wird am Sonntag um Mitternacht das 28. Mitglied der EU. Der Adriastaat tritt wirtschaftlich schwer angeschlagen der Union bei. Überbordende Schulden, eine Arbeitslosigkeit von 22 Prozent und aus den Fugen geratene Gesundheits- und Rentensysteme machen dem Land zu schaffen. Finanzminister Slavko Linic beklagt, dass 1,3 Millionen Beschäftigte eine ebenso große Zahl von Rentnern ernähren müssten. Regierungschef Zoran Milanovic hat aber immer wieder versichert, die reicheren EU-Länder bräuchten "keinen Cent" für sein Land lockerzumachen.

Die EU-Finanzminister haben in dieser Woche schon 655 Millionen Euro Unionsgelder für das neue Mitglied freigegeben - allein für das zweite Halbjahr 2013. Wenn man den kroatischen Mitgliedsbeitrag gegenrechnet, bleibt für das kleine Land mit 4,4 Millionen Einwohnern immer noch ein Geldsegen von 440 Millionen Euro. In Zukunft sollen es jährlich sogar 1,2 Milliarden werden. Wichtigste eigene Einnahmequelle ist der Tourismus mit sieben Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr waren unter den zehn Millionen ausländischen Gästen 1,9 Millionen Deutsche. Zusammen mit den Österreichern stellen sie ein Drittel der ausländischen Urlauber - Tendenz stark steigend.

Eine der Bedingungen für den EU-Beitritt war die Privatisierung der staatlichen Werften. Zwar soll der Verkauf der Werft "3. Mai" in der größten Hafenstadt Rijeka an diesem Wochenende abgeschlossen werden, doch an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit dieser Lösung bestehen große Zweifel. In letzter Minute wird auch noch schnell ein Gesetz fabriziert, das die von Deutschland verlangte Auslieferung des ehemaligen kroatischen Geheimdienstchefs Josip Perkovic verhindern soll. Der soll noch zu jugoslawischen Zeiten den Mord an einem Dissidenten in Deutschland in Auftrag gegeben haben.

Schon bei den Beitrittsverhandlungen hatte die EU-Kommission viele Augen zugedrückt. So ist der Grenzstreit mit Montenegro in der Bucht von Kotor an der südlichen Adria ebenso ungelöst wie die Rückkehr Zehntausender im Bürgerkrieg vertriebener Serben. Die nach Darstellung kroatischer Regierungspolitiker völlig marode, altmodische und von der Politik gegängelte öffentliche Verwaltung war von Brüssel erst gar nicht als Thema in Angriff genommen worden. Die Korruption, die mit schnell zusammengezimmerten Gesetzen zurückgedrängt werden sollte, beherrscht weiter den Alltag aller Bürger.

Die reagieren zunächst wenig begeistert. Am EU-Referendum hatten nur 44 Prozent der Stimmberechtigten teilgenommen, zur Wahl der Abgeordneten zum Europaparlament gingen sogar nur 21 Prozent. Viele Ängste begleiten den Beitritt: Vor dem "Ausverkauf" der heimischen Wirtschaft oder vor einer Run von Ausländern auf die attraktiven Küstengrundstücke. Immerhin erwartet die Mehrheit durch mehr ausländische Konkurrenz den Rückgang der vergleichsweise hohen Preise für Nahrungsmittel. Als erstes unter Druck kam jedoch der heimische Strommonopolist HEP: Zwei Unternehmen aus Slowenien und Deutschland machen inzwischen schon viel günstigere Angebote.

dpa

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