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Deutschland / Welt EU macht Firmen Druck: Mehr Frauen an die Spitze
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22:58 17.09.2010
Von Matthias Koch
Für eine Überraschung gut: Viviane Reding. Quelle: ap
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Die EU-Kommission in Brüssel, seit Langem unzufrieden mit der starken Vorherrschaft von Männern in den Chefetagen von Unternehmen, droht der Wirtschaft jetzt mit gesetzlichen Frauenquoten.

„Entweder ergreifen die börsennotierten Unternehmen freiwillig Maßnahmen, die den Anteil von Frauen vor allem in Aufsichtsräten substanziell erhöhen, oder die Kommission wird 2012 einen Vorschlag für gesetzgeberische Maßnahmen vorlegen“, erklärte EU-Gleichstellungskommissarin Viviane Reding am Freitag in Brüssel.

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Bislang galt in Brüssel beim Thema Frauenquote lediglich die Formel, wenn nichts geschehe, müsse man „über gesetzliche Schritte nachdenken“. Inzwischen aber kursieren in Brüssel bereits Eckpunkte einer möglichen europaweiten Richtlinie. Als „Zielgröße“ gilt ein Frauenanteil von 30 Prozent in Aufsichtsräten, der bis 2015 erreicht sein sollte. Fünf Jahre später sollten es bereits 40 Prozent sein.

Reding nannte die bisherige Bilanz bei der Gleichstellung ernüchternd. Bei den größten börsennotierten Konzernen Europas sei erst jedes zehnte Vorstandsmitglied weiblich. „Am Thema Frauenquote kommen wir deshalb nicht vorbei.“

In Berlin lobte die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der CDU/CSU-Fraktion, die hannoversche Abgeordnete Rita Pawelski, die Vorstöße aus Brüssel: „Heute ist ein guter Tag für die Frauen.“ Pawelski arbeitet an Entwürfen für ein nationales Gesetz zur Frauenförderung und stand in den vergangenen Monaten in Kontakt zu allen Vorständen der 30 Dax-Konzerne in Deutschland.

Union und FDP sind sich über Umrisse eines Stufenplans einig, viele Details sind aber umstritten. Der Wirtschaftsflügel der Union und große Teile der FDP warnen vor neuer staatlichen Gängelung und setzen auf freiwillige Zielmarken.

Pawelski sagte am Freitag, die EU gebe jetzt allen in Berlin Rückenwind, die auf eine verbindliche Quotenregelung hinarbeiten. In der dritten Ebene des Managements seien deutsche Frauen zwar bereits viel stärker vertreten als früher. Ein Problem bleibe aber der Übergang in die Ebenen eins und zwei, die des Vorstands und direkt darunter. Pawelski sagte, der Stufenplan der Koalition müsse zunächst auf Selbstverpflichtungen der Wirtschaft zielen, den Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten auf 30 Prozent zu steigern. Sollte dies bis 2014 nicht gelingen, müssten die Unternehmen gesetzlich in die Pflicht genommen werden.

Pawelski sagte, notfalls werde der nötige Anstoß aus Brüssel kommen und verwies auf eine Richtlinie, die bereits zum Antidiskriminierungsgesetz führte. Die Gefahr einer EU-Bürokratie an dieser Stelle sieht die CDU-Politikerin nicht: „Es ist doch gut, wenn die EU sich wichtigeren Dingen zuwendet als dem Krümmungsgrad der Gurken.“

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