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Deutschland / Welt Ehepaar Guttenberg und McAllister in Afghanistan
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19:12 17.12.2010
Im Feldlager Masar-i-Scharif stellte sich Minister zu Guttenberg den Fragen von Johannes B. Kerner. Quelle: dpa
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Das ist schon etwas Besonderes. Wenn der Verteidigungsminister kommt, freuen sich die deutschen Soldaten in Nordafghanistan. Dann gibt es meist ein feines Essen und eine ganze Menge Abwechslung im oft tristen Leben hinter den hohen Mauern der Feldlager. Sechs Mal ist Karl-Theodor zu Guttenberg in seiner noch kurzen Amtszeit schon in Kundus und Masar-i-Scharif gewesen. Als er gestern das siebte Mal dort aufschlägt, um persönliche Weihnachtsgrüße zu überbringen, ist die Überraschung perfekt. Seine Ehefrau Stephanie begleitet ihn und nennt auch den Grund dafür: „Meine Motivation ist, dass ich immer einmal als Frau, Ehefrau und Mutter hier runter kommen wollte und mir ein Bild von der Lage machen wollte“, sagt die 34-Jährige. Sie wolle endlich einmal sehen, worüber sie so oft mit ihrem Mann rede. „Das ist kein spaßiger Ausflug“, fügt sie hinzu und lässt sich nicht anmerken, dass die Anreise alles andere als komfortabel ist.

Natürlich richten sich die Augen der Soldaten häufiger auf die blonde Frau, die viele auch aus dem Fernsehen und durch ihr Engagement zum Schutz der Kinder kennen, als auf den „Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt“, wie der Verteidigungsminister auch genannt wird. Zwei weitere Promis in seinem Gefolge haben es da schon schwerer, auf sich aufmerksam zu machen: Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister und dessen Kollege aus Magdeburg, Wolfgang Böhmer. Dezent bewegen sie sich im Hintergrund und denken gar nicht daran, dem Traumpaar aus Franken die Show zu stehlen.

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McAllister sieht sich zum ersten Mal am Hindukusch um. Seit gestern weiß er aus persönlichem Erleben, was die Soldaten der 1. Panzerdivision erwartet, die er Mitte Januar gemeinsam mit Guttenberg in den Afghanistan-Einsatz verabschieden wird. Schon die Anreise ist strapaziös, von Berlin geht’s mit dem VIP-Airbus zunächst nach Termez in Südusbekistan und von dort nach einer Übernachtung weiter mit einer betagten Transall ins Einsatzgebiet. Schon kurz nach Sonnenaufgang hebt die Propellermaschine in Termez ab und landet eine knappe Stunde später in Masar-i-Scharif. Dort warten bereits zwei deutsche Großraumhubschrauber auf die Mitglieder der Delegation, die inzwischen komplett mit Stahlhelmen und schweren Splitterschutzwesten ausgerüstet ist. Das Ehepaar zu Guttenberg fliegt getrennt weiter und trifft nach knapp 30 Minuten bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen in Kundus ein. Gegen neun Uhr landen die Helikopter im deutschen Feldlager.

Oberst Rainer Grube, derzeit Kommandeur im Wiederaufbauteam (PRT) Kundus, ansonsten zweiter Mann an der Spitze der Oldenburger Luftlandebrigade 31, empfängt die Gäste aus Deutschland und führt sie als erstes zum sogenannten Ehrenhain. Hier sind an einer von Fahnenmasten umgebenen Mauer die Namen der bisher in der Region Kundus gefallenen deutschen Soldaten angebracht. McAllister gedenkt hier auch der vier Fallschirmjäger aus Seedorf bei Zeven, die im April ihr Leben in Afghanistan verloren haben.

Während der Minister mit Grube und anderen hohen Offizieren die Lageentwicklung erörtert, nutzen McAllister und Böhmer die Gelegenheit, einen Teil des PRT näher kennenzulernen und mit Soldaten zu sprechen. Pioniere aus Holzminden berichten über ihre gefährliche Arbeit, Fallschirmjäger aus Seedorf stellen ihre Ausrüstung vor, Stabssoldaten und Sanitäter aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gewähren einen kleinen Einblick in den Alltag im Team. Stephanie zu Guttenberg lässt sich derweil von einer der 132 in Afghanistan stationierten deutschen Soldatinnen durch das Lager führen. Auf die Frage einer Journalistin, wie sie denn ihren Mann als Verteidigungsminister im Einsatzgebiet finde, antwortet sie: „Ich habe ihn noch gar nicht so richtig viel gesehen.“ So gibt es für die Soldaten nur wenige Chancen, den Minister und seine Frau gemeinsam zu fotografieren.

Kurz nach elf Uhr versammeln sich rund 300 deutsche Soldaten im erst vor wenigen Wochen fertiggestellten Speisesaal neben der neuen Küche. Die Köche haben sich mächtig ins Zeug gelegt und ein Brunch-Buffet aufgebaut, das durchaus festlich ist und hilft, den Truppenalltag für 90 Minuten zu vergessen. Rinder- und Schweinefilet, Krabben, Scampis, edle Fleischspieße, vor allem aber Salat in vielen Variationen gibt es, und die Soldaten wissen das zu schätzen. Dass sie während des Essens ziemlich ungezwungen mit den Promis plaudern können, trägt auch zum allgemeinen Wohlbefinden bei.

Der Minister hebt in einer kurzen Ansprache hervor, er sei gekommen, um den Männern und Frauen zu danken. „Es ist ganz wichtig, dass man gerade in der Weihnachtszeit jenen Anerkennung und Unterstützung gibt, die tausende Kilometer von der Heimat entfernt einen harten Dienst absolvieren“, sagt er. „Es ist eine Frage des Herzens.“ Ministerpräsident McAllister hat keine Geschenke im Gepäck, aber auch er will den Soldaten Freude bereiten. Spontan überreicht er dem PRT-Kommandeur einen Scheck, damit unerfüllte Weihnachtswünsche noch in Erfüllung gehen können.

Dann sind knapp vier Stunden in Kundus verstrichen. Per Hubschrauber geht’s zurück nach Masar-i-Scharif. Dort wird noch rasch eine Talkshow mit Johannes B. Kerner aufgezeichnet. Für McAllister, Böhmer und Junge Union-Chef Philipp Missfelder bleibt derweil Zeit für eine kleine Tour im gepanzerten Jeep in die Umgebung der Boom-Town Masar-i-Scharif. Kurz vor Sonnenuntergang beginnt der Rückflug. Und damit niemand von einer PR-Reise in eigener Sache redet, verbreitet das Verteidigungsministerium in Berlin den Hinweis, selbstverständlich zahle Stephanie zu Guttenberg den Flug aus eigener Tasche.

Klaus von der Brelie/dpa

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