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Deutschland / Welt Keine Gnade für Pussy Riot
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09:21 11.08.2013
Die Band Pussy Riot im vergangenen Jahr vor Gericht in Moskau. Quelle: dpa (Archiv)
Moskau

Ungebrochen trotz umstrittener Haft zeigt sich Nadeschda Tolokonnikowa von der kremlkritischen Punkband Pussy Riot. Geradezu fröhlich blitzen die Augen der jungen Frau, als sie aus einem Gitterkäfig heraus mit scharfen Worten ihre Überzeugung betont. „Die Zeit in Haft hat nicht dazu geführt, dass ich meine Einstellung ändere“, sagt die 23-Jährige im Gericht der russischen Stadt Saransk.

Eine vorzeitige Haftentlassung der scharfen Gegnerin von Kremlchef Wladimir Putin aber lehnen die Richter ab. Damit sitzt Tolokonnikowa -– wie ihre Mitstreiterin Maria Aljochina – auch ein Jahr nach ihrer weltweit kritisierten Verurteilung am 17. August 2012 hinter Gittern.

Ihren Kampf für Freiheit aufgeben will die Mutter einer kleinen Tochter jedoch nicht. Bis vor das Oberste Gericht in Moskau und notfalls den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte will sie ziehen, um das Urteil zu zwei Jahren Straflager wegen Rowdytums aus religiösem Hass anzufechten. Der Kampf der „Engel gegen Putin“ hat die Frauen berühmt gemacht, Pussy Riot ist mittlerweile ein gewinnversprechender Markenname. Aushängeschild ist die hübsche Tolokonnikowa, ihr T-Shirt mit dem legendären Schlachtruf „No pasarán“ („Sie werden nicht durchkommen“), ursprünglich von der spanischen Revolutionärin Dolores Ibárruri geprägt, weltbekannt.

Und auch weiterhin setzt Tolokonnikowa offenbar auf Risiko. Aus der Haft heraus soll sie am neuen Lied von Pussy Riot mitgearbeitet haben, das untergetauchte Mitglieder als Video ins Internet stellen. In „Kak w krasnoi tjurmje“ (Wie im roten Gefängnis) werfen die Frauen Putin und den staatlichen Rohstoffkonzernen vor, Milliarden aus dem einträglichen Öl- und Gasgeschäft zu unterschlagen.

Und wieder bekommt auch die einflussreiche orthodoxe Kirche ihr Fett ab: Die enge Verbindung zwischen Kreml und Klerus war bereits der Grund für das „Punkgebet“ im Februar 2012 in der wichtigsten Moskauer Kathedrale. Auch wegen der Empörung von Patriarch Kirill, so meinen Kommentatoren, griff die Justiz rücksichtslos gegen Aljochina, Tolokonnikowa sowie Bandkollegin Jekaterina Samuzewitsch (31) durch. Samuzewitschs Strafe wird später zur Bewährung ausgesetzt.

Die Kirche, eine der wichtigsten Machtstützen Putins, ist nach einhelliger Meinung ein Gewinner der Justizposse um Pussy Riot. Ihre Stellung ist gestärkt, auch weil das Parlament in Moskau eilig ein Gesetz durchwinkt, das Blasphemie als Straftat einstuft. Nun drohen Gotteslästerern drei Jahre Haft. Kritiker sehen die Grenzen zwischen Kirche und Staat verschwimmen.

Dass mit Tolokonnikowa und Aljochina, die einen kleinen Sohn hat, zwei Mütter in Lagerhaft sitzen, empört Menschenrechtler besonders. Die Organisation Amnesty International erkennt die Frauen als politische Gefangene an, mehr als 100 Musikstars fordern in einem Brief an Putin die Freilassung. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisiert bei einem Treffen mit Putin in Moskau den Fall, der als Symbol für die zunehmende Härte des Kremlchefs gegen Kritiker gilt.

Als „Feind Nummer Eins“ hat zwar der charismatische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny mittlerweile Pussy Riot abgelöst. Gegen ihn geht die Justiz nun mit aller Härte vor. Doch dass die Feministinnen weiter im Gedächtnis bleiben, liegt auch an einem Mann.

Tolokonnikowas Gatte Pjotr Wersilow kommentiert über Twitter nicht nur Gerichtsanhörungen seiner Ehefrau. Er kritisiert auch die scharfen Haftbedingungen, unter denen vor allem Aljochina zu leiden scheint. Immer wieder beschwert sich die 25-Jährige über Mitgefangene und Aufseher, mehrere Verweise stehen in ihrer Gefängnisakte.

Schuld seien oft lächerliche „stilistische Unstimmigkeiten“ mit der Lagerleitung, schimpft Tolokonnikowa vor Gericht in Saransk. So werfen ihr die Beamten das „Fehlen einer aktiven Lebenseinstellung“ vor - sie hatte abgelehnt, an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen. Als äußerst wahrscheinlich gilt, dass die Aktivistinnen ihre Strafe bis zum letzten Tag am 3. März 2014 absitzen müssen.

dpa

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