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Deutschland / Welt US-Doppelschlag gegen Terroristen
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17:45 06.10.2013
Die US-Spezialeinheit Navy Seals hat in Afrika einen Schlag gegen Topterroristen ausgeführt. Quelle: dpa
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Washington

Der Morgen graut noch nicht über Libyen, als sich zehn maskierte Männer lautlos an das Haus von Abu Anas al-Libi schleichen. Der Top-Terrorist, den das FBI als „meist gesucht“ eingestuft hat, ist auf dem Weg zu seinem Morgengebet und ahnt wohl nicht, dass sein jahrelanges Versteckspiel mit US-Terrorfahndern heute sein Ende nehmen wird. Mit schnellem Griff packen die Männer den Extremisten, schon Momente später befindet er sich in den Händen der USA. Die Gruppe verschwindet, so schnell wie sie gekommen ist.

Ein „Meisterwerk“ nennt Noman Benotman den Einsatz der Spezialeinheit in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Der ehemalige Dschihadist, der Kontakt zu al-Libis Familie hat, bewundert die gezielte Operation im CNN-Interview. Für die USA ist der Einsatz ein großer Erfolg im Anti-Terror-Kampf, der in afrikanischen Ländern immer dringender wird. „Die erfolgreiche Festnahme wurde durch die hervorragende Arbeit und Absprache quer durch Geheimdienste ermöglicht“, teilte Pentagon-Sprecher George Little am Sonntag mit. Barack Obama, zugleich US-Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, hatte den Einsatz abgesegnet.

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Satte fünf Millionen Dollar (3,7 Millionen Euro) Belohnung hatte die Bundespolizei FBI für Hinweise versprochen, die zu al-Libis Festnahme führen. Seine Anklage liegt mehr als zwölf Jahre zurück. 230 Menschenleben soll er auf dem Gewissen haben. Denn er gilt als Schlüsselfigur in einem Blutbad von 1998, das zu den schwersten Attentaten auf US-Einrichtungen der vergangenen Jahrzehnte gehört.

Mehr als 5000 Menschen wurden verletzt, als am 7. August 1998 Bomben an den US-Botschaften in Kenia und Tansania in die Luft gingen. In Nairobi explodierte ein ganzer Lieferwagen mit Sprengstoff, in Daressalam wurde die Fassade der Botschaft durch eine Bombe weggerissen.

Doch die nächtliche Operation war nur der erste Teil dessen, was die „New York Times“ als „kraftvolles Muskelspiel des Militärs“ im Kampf gegen afrikanische Terrorzellen beschreibt. Einen zweiten heftigen Schlag versetzten die Amerikaner der Al-Shabaab-Miliz in Somalia, die sich zur Geiselnahme im Westgate-Einkaufszentrum vor zwei Wochen bekannt hatte. Maskierte Terroristen versetzten das Land in Angst und Schrecken, als sie sich mit Geisel verschanzten und sich ein tagelanges Gefecht mit Sicherheitskräften lieferten. Bilanz des blutigen Terrorakts: Mindestens 72 Tote.

Keine geringere Truppe als die Navy Seals, die berüchtigte Elite-Einheit des US-Militärs, verübte unter heftigem Gegenfeuer die Attacke auf Al-Shabaab. Mit Booten starteten sie vom Indischen Ozean in Richtung Hafenstadt Baware. Fünf Al-Shabaab-Kämpfer sollen tot sein, darunter ein hochrangiges Mitglied der Miliz. Doch wegen des heftigen Gegenfeuers muss die Spezialtruppe, die auch Terrorchef Osama bin Laden tötete, den Rückzug antreten.

Der starke Doppelschlag Washingtons zeigt, wie wichtig der Anti-Terror-Kampf in afrikanischen Staaten geworden ist. In den vergangenen zehn Jahren haben die USA gewaltige Anstrengungen unternommen, um Al-Kaidas Einfluss im Norden und Westen Afrikas zurückzudrängen. Mehr als 1 Milliarde Dollar (740 Millionen Euro) hat sich die US-Regierung die Jagd auf Terroristen seit 2005 kosten lassen, rechnete die „Washington Post“ im Februar vor.

In immer mehr Ländern schicken der Geheimdienst CIA und die Streitkräfte ferngesteuerte Flugroboter in die Luft, um Raketen auf Terroristen feuern oder Gebiete auszukundschaften. Obama hat die Drohnen-Einsätze ausgeweitet, etwa auf Mali, um die afrikanischen Schlupflöcher für Terrorkämpfer im Keim zu ersticken.

dpa

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