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Deutschland / Welt Erinnerung an 11. September: Fassungslosigkeit und Trauer
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17:02 09.09.2011
Die Bilder vom 11. September 2001 haben sich in das Gedächtnis gebrannt. Quelle: dpa
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Hannover

Wenige Ereignisse haben die Welt so sehr erschüttert wie die Terroranschläge auf die USA am 11. September 2001. Vier entführte Flugzeuge waren damals die Waffen, mit denen Terroristen die Welt in Angst und Schrecken versetzen. Mehr als 3000 Menschen starben. Auch viele Niedersachsen haben „Nine-Eleven“ als Zeitenwende erlebt. Was sie an diesem Tag dachten und fühlten, das schildern sie in einer Umfrage.

David McAllister: „Am 11. September 2001 war ich wegen einer Sitzung der CDU-Landtagsfraktion in Hannover. Fassungslos verfolgten wir in den Büros die Ereignisse auf CNN. Ich war unendlich traurig. Auch deshalb, weil Deutschland den USA so viel zu verdanken hat.“ (Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) war 2001 Bürgermeister des Fleckens Bad Bederkesa und Mitglied der CDU-Landtagsfraktion.)

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Steven Cherundolo: „Wir waren mit Hannover 96 auf dem Weg zu einem Freundschaftsspiel in Landesbergen bei Nienburg. Im Mannschaftsbus lief das Radio, dort hörten wir die ersten Meldungen. Weil mein Deutsch noch nicht so gut war, haben meine Mitspieler viel übersetzt und mir alles erklärt. Nach der Rückkehr vom Spiel habe ich zu Hause direkt CNN eingeschaltet und bis tief in die Nacht geschaut. Das Ausmaß und die Hintergründe wurden mir da erst so richtig bewusst. Natürlich war ich geschockt. Nein, zum Glück waren keine Verwandten oder Freunde von mir betroffen. Aber nach wie vor ist 9/11 für uns alle ein furchtbares Ereignis, das unauslöschlich in unseren Köpfen bleiben wird.“ (Der gebürtige Amerikaner Steven Cherundolo spielte 2001 als Profifußballer bei Hannover 96.)

Aygül Özkan: „Ich saß im Büro an meinem Arbeitsplatz und habe das Unfassbare gemeinsam mit Mitarbeitern den ganzen Tag über online verfolgt. Die Dimension dieses schrecklichen Ereignisses ist auch zehn Jahre danach nicht in Worte zu fassen.“ (Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) war 2001 Managerin bei der Deutschen Telekom in Hamburg.)

Uwe Schünemann: „Ich war bei einer Firma im Landkreis Holzminden und habe dort Wirtschaftsgespräche geführt. Als wir die Informationen bekommen haben, dass da ein schrecklicher Anschlag passiert ist, haben wir die Sitzung unterbrochen und völlig fassungslos zwei Stunden lang auf den Fernseher gestarrt. Die Sitzung haben wir sofort abgebrochen und ich bin nach Hause gefahren, wo ich bis tief in die Nacht die Bilder verfolgt habe. Durch die Live-Übertragung waren die Menschen weltweit völlig fassungslos und ich glaube, dass niemand das je wieder vergisst. Allen war klar, dass die Welt nicht mehr so ist, wie sie vor dem 11. September war. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass das jemals passieren wird, hätte ich es nie geglaubt.“ (Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) war 2001 Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion.)

Sigmar Gabriel: „Mich erreichte am 11. September 2001 ein Anruf in meinem Büro in der Staatskanzlei. Mein heutiger Büroleiter rief an und sagte mir, ich solle schnell den Fernseher anschalten. In New York sei ein Flugzeug in einen der Türme des World Trade Center geflogen. Als ich das Gerät einschaltete, schlug gerade das zweite Flugzeug in den Turm ein. Ich erinnere mich an ein Gefühl von Fassungslosigkeit und Ohnmacht. Es war schnell klar, dass dieses Ereignis die Welt verändern würde. Mich haben besonders die Hilflosigkeit der in den Türmen gefangenen Menschen und der Mut der Retter sehr bewegt. Ihr Tod in den zusammenstürzenden Gebäuden war ein furchtbarer Moment.“ (Der heutige SPD-Parteichef Sigmar Gabriel war 2001 Ministerpräsident in Niedersachsen.)

Rebecca Harms: „Ich kann mich sehr gut an den 11. September vor 10 Jahren erinnern. Ich saß in meinem Büro im Landtag in Hannover, als ein befreundeter Journalist anrief: „Schalt sofort den Fernseher an. In New York passiert etwas Unvorstellbares.“ Ich weiß nicht, wie lange ich dann mit meinen Kollegen in der Fraktion vor dem Fernseher gesessen habe. Ich weiß noch gut, wie fassungslos wir den Berichten auf CNN folgten. Wie sich Fassungslosigkeit und auch Furcht mischten. Dass ich mich nach einem Freund in den USA erkundigte. Und wie mir nach vielen Stunden vor dem Fernseher immer mehr dämmerte, welch schwierige und weitreichende Entscheidungen das auch für die Politik in Deutschland nach sich ziehen würde.“ (Die heutige Grünen-Abgeordnete im EU-Parlament Rebecca Harms war 2001 Fraktionschefin der Grünen im niedersächsischen Landtag.)

Klaus Meine: „Ich war damals in Hannover auf dem Weg zu einem Freund in einer Reha-Klinik. Die ersten Bildern habe ich gesehen, als ich dort ankam. Auf dem Rückweg habe ich dann einen Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer besucht. Die ganze Zeit habe ich an meine Freunde gedacht und gehofft das keiner von Ihnen an diesem Morgen im WTC war oder sich in der Nähe aufgehalten hat.“ (Klaus Meine ist Leadsänger der Rockband Scorpions.)

Michael Frenzel: „Wir wollten gerade in die Diskussion des letzten Tagesordnungspunktes unserer Vorstandssitzung einsteigen, als meine Assistentin die Sitzung unterbricht und uns auf die Anschläge von New York aufmerksam macht. Die Kollegen und ich haben uns erst etwas ungläubig angeschaut, dann haben wir sofort CNN auf den Videobeamer gelegt. Meine erste Reaktion war: Das kann doch nicht sein. Was da vor unseren Augen passierte, lag außerhalb meiner Vorstellungskraft. Als nächstes habe ich unseren Krisenmanager angerufen und mir ein Bild über die Lage verschafft. Wir hatten Kunden in New York und unsere sieben Fluggesellschaften waren unmittelbar von der Sperrung der Lufträume betroffen.“ (Tui-Chef Michael Frenzel war 2001 Vorstand bei der Preussag in Hannover, dem späteren Tui-Konzern.)

Jens Böhrnsen: „Das ist unauslöschlich in meiner Erinnerung. Wir hatten eine Fraktionssitzung und ein Kollege kam und sagte, es sei etwas Schreckliches passiert. Ich habe die Fraktionssitzung abgebrochen und wir sind alle zu den Fernsehern gestürmt - und als dann deutlich wurde, was geschehen war, da war es gut, dass man nicht allein war, dass man darüber sprechen konnte. Natürlich waren es hilflose Bemerkungen, die man gemacht hat aber es war wichtig, dass man sich austauschen konnte. Ich habe auch in Erinnerung, wie alsbald der Dom geöffnet war und die Menschen in die Kirche gegangen sind, einfach weil sie einen Raum brauchten, und ich bin auch dort hingegangen.“ (Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen war 2001 Chef der Bremer SPD-Bürgerschaftsfraktion.)

dpa