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Deutschland / Welt Ermittlungen auf „Gorch Fock“ beginnen noch diese Woche
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Ermittlungen auf „Gorch Fock“ beginnen noch diese Woche
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14:43 25.01.2011
Der frühere Kapitän Michael Brühn "Gorch Fock" in den Heimathafen nach Kiel steuern. Quelle: dpa
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Nach immer neuen Berichten über Missstände auf der „Gorch Fock“ sollen jetzt noch diese Woche die Ermittlungen an Bord beginnen. Dazu wird ein siebenköpfiges Ermittlerteam in der Nacht zum Freitag in Argentinien erwartet, wie die Marine am Dienstag mitteilte. Dort liegt das Segelschulschiff nach der Ablösung von Kommandant Norbert Schatz seit vergangener Woche auf Reede. Wann die „Gorch Fock“ nach Deutschland zurückkehrt, ist immer noch offen.

Am Krisenmanagement von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gab es weiterhin Kritik. Der CSU-Politiker wurde vom Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus, aber in Schutz genommen. Die Affäre hatte durch den Tod einer Kadettin begonnen, die aus der Takelage in die Tiefe stürzte. Schiffsführung und Stammbesatzung stehen unter Verdacht, den Nachwuchs zu drangsalieren.

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Geleitet wird das Ermittlerteam vom Chef des Marineamtes, Konteradmiral Horst-Dieter Kolletschke. Dazu gehören allein drei Juristen, wie ein Marinesprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ob die „Gorch Fock“ gleich nach Ankunft des Teams die Rückfahrt nach Kiel antritt oder erst an Bord umfangreichere Befragungen vorgenommen werden, steht noch nicht fest.

Das Schiff soll dann unter dem Kommando seines früheren Kapitäns Michael Brühn (2001-2006) nach Hause fahren. Der abberufene Kommandant Norbert Schatz ist nach Angaben der Marine nicht mehr an Bord. Reserve-Offiziere, die 2007 unter Schatz ausgebildet wurden, nahmen ihn in einem Offenen Brief in Schutz.

Nach Medienberichten enthält ein von Königshaus in Auftrag gegebener Bericht über die Zustände auf der „Gorch Fock“ Hinweise auf massiven Alkoholmissbrauch an Bord. Ein betrunkener Ausbilder sei in den Schlafraum der Kadetten gekommen und habe gelallt, „dass er Offiziersanwärter hasse und sie töten würde“. Ein Kadett sagte laut „Spiegel Online“, er habe „Erbrochenes der Offiziere wegputzen müssen“.

Während der jetzigen mehrmonatigen Fahrt war im November in Brasilien eine 25 Jahre alte Kadettin tödlich verunglückt. Angeblich war sie völlig entkräftet. Die Kieler Staatsanwaltschaft geht nun einer Strafanzeige der Mutter nach. Ob sie ein förmliches Ermittlungsverfahren einleiten wird, sei noch offen, sagte Oberstaatsanwalt Kuno Fischer.

Königshaus warf im ZDF-„Morgenmagazin“ die Frage auf, ob Kadetten ausreichend auf ihren Einsatz vorbereitet werden. „Es sind einige Dinge, die nicht in Ordnung sind. Dass muss man ganz klar sagen.“ Der FDP-Politiker verteidigte jedoch die Entscheidung, den Kapitän vom Dienst zu entbinden. Zugleich sprach er sich für die Einsetzung einer Gleichstellungsbeauftragten aus.

Nach einem Bericht der „Kieler Nachrichten“ gaben acht Reserve-Offiziere, die 2007 ihre Ausbildung auf der „Gorch Fock“ absolvierten, dem suspendierten Kommandanten Rückendeckung. Sie verteidigten das Ausbildungskonzept an Bord. „Wir sind an Bord nie schikaniert worden“, sagte der Leutnant zur See der Reserve, Bastian Schmitz, der Zeitung.

dpa

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