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Deutschland / Welt Ermordeter Bürgermeister – Aufruf zu weiteren Tötungen in Polen
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12:57 15.01.2019
Menschen nehmen an einem Gedenkmarsch für den verstorbenen Bürgermeister von Danzig, Adamowicz, teil. Der tödliche Anschlag hat Polen geschockt. Quelle: Wojtek Strozyk/AP/dpa
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Warschau

Nach der Ermordung des Danziger Bürgermeisters hat die polnische Polizei drei Personen festgenommen, die zu weiteren Tötungen aufgerufen haben. Das teilte das Innenministerium Dienstag mit. Die drei wurden demnach bereits Montag festgenommen, nachdem der mit einem Messer niedergestochene Bürgermeister seinen Verletzungen erlegen war. Innenminister Joachim Brudzinski beschrieb die Festgenommenen als Internettrolle und „unausgeglichen“. Zu wessen Ermordung sie aufriefen, war unklar.

Ein Mann hatte Pawel Adamowicz am Sonntag bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Danzig auf der Bühne mit einem Messer angegriffen. Adamowicz wurde fünf Stunden lang operiert, erlag aber Montag seinen Verletzungen. Als mutmaßlicher Attentäter wurde ein 27-jähriger Ex-Häftling festgenommen, der auf die Bühne gestürmt war und geschrien hatte, er übe Rache gegen die frühere Regierungspartei Bürgerplattform, deren Mitglied Adamowicz früher war.

Staatsanwälte ermitteln wegen Mordes

Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, in dem Fall wegen Mordes zu ermitteln. Ein Danziger Gericht ordnete am Abend Untersuchungshaft gegen den vorbestraften Angreifer an. Nach unbestätigten Medienberichten war er psychisch krank.

Der tödliche Anschlag auf den Danziger Bürgermeister hat Polen geschockt und in tiefe Trauer gestürzt. Die Stadt Danzig hat im Rathaus ein Kondolenzbuch für den Politiker ausgelegt. „Herr Bürgermeister, lieber Pawel! Du fehlst uns schon jetzt“, lautete der erste Eintrag des Danziger Erzbischofs Slawoj Leszek Glodz, der Adamowicz als einen Visionär würdigte, dessen Berufung die Stadt Danzig gewesen sei.

Bis Freitag können sich die Danziger in dem Buch eintragen. In der Stadt hingen die Flaggen am Dienstag auf halbmast. Außerdem kündigten die Behörden bis zur Beerdigung Trauer an, ein Termin stand zunächst aus.

Landesweit versammelten sich Polen zu spontanen Trauerkundgebungen und Demonstrationen gegen Gewalt. Allein in Warschau waren es Tausende Menschen. In Danzig sagte der EU-Ratspräsident, Polens Ex-Regierungschef Donald Tusk: „Ich verspreche Dir heute, lieber Pawel, dass wir für Dich unser Danzig, unser Polen und unser Europa von Hass befreien werden.“ Viele Danziger zündeten vor dem Rathaus Kerzen an. Sie könnten ihren Schmerz nicht in Worte fassen, berichteten polnische Medien.

Präsident Andrzej Duda sprach Adamowiczs Familie via Twitter sein Beileid aus. „Ich stehe in Trauer und im Gebet bei seinen Angehörigen, Freunden und allen Menschen guten Willens“, schrieb das Staatsoberhaupt. „Feindseligkeit und Gewalt haben tragischste Folgen und Schmerz gebracht. Das können wir nicht hinnehmen“, schrieb Duda.

Steinmeier bekundet sein Beileid

 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte der Frau des Bürgermeisters, der auch zwei Töchter hinterlässt, sein Beileid aus. „Mit großer Trauer habe ich von dem Tod Ihres Ehemannes Pawel Adamowicz erfahren, der Opfer einer so sinnlosen Gewalttat wurde.“ Adamowicz sei aktiv an der friedlichen Protestbewegung beteiligt gewesen, die zum Ende des kommunistischen Regimes in Polen führte und den Weg zum Fall der Berliner Mauer bereitete, betonte Steinmeier.

Die Tat löste in Polen auch eine politische Debatte über Hassreden aus. Der heftige Streit zwischen der Opposition und der PiS könne zur Eskalation der Gewalt beigetragen haben, meinen Kritiker. Adamowiczs Stellvertreterin Aleksandra Dulkiewicz mahnte Einigkeit an. Die Tat dürfe nicht für politische Zwecke benutzt werden, sagte sie.

Dem schloss sich auch die PiS-Sprecherin Beata Mazurek an. Die Attacke müsse von ausnahmslos allen verurteilt werden, sagte sie. Regierungssprecherin Joanna Kopcinska schrieb bei Twitter: „Der Mord an Bürgermeister Pawel Adamowicz ist ein Schlag für uns alle.“

Von RND/AP/dpa

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