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Deutschland / Welt Ernährungsreport: „Gesund funktioniert nur, wenn es auch schmeckt“
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21:45 09.01.2019
Ein „Härkäpapu“ sieht aus wie ein normaler Burger aus Hackfleisch, ist aber fleischlos und aus der finnischen Fava-Bohne hergestellt. Quelle: Claudia Wittke-Gaida/dpa-tmn
Berlin

Beim Essen, sagt Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU), sei sie keine Dogmatikerin. Zu Hause in Rheinland-Pfalz kauft sie Fleisch, Obst und Gemüse auf dem Markt. Im Job in Berlin isst sie unregelmäßig und „was sie gerade kriegt“. Die Ernährung sei ihr aber wichtig, betont Klöckner bei der Vorstellung des „Ernährungsreports 2019“. „Leute, die nicht gern essen und trinken, sind oft spaßfrei.“

Spaß ist keine Kategorie, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa in Klöckners Auftrag im Oktober und November 2018 bei 1000 Bundesbürgern ab 14 Jahren abgefragt hat. Bei Essen und Trinken geht es vor allem um Geschmack – und der ist 99 Prozent der Befragten das Wichtigste am Essen. Am wenigsten wichtig (32 Prozent) soll den Befragten der Preis sein – ein Trend, der sich seit drei Jahren fortsetzt. 2015 hatten noch 40 Prozent angegeben, der Preis sei wichtig beim Essen. (Hier geht’s zum kompletten Ernährungsreport.)

Das sind die Lieblingsgerichte der Deutschen

Jeder Dritte nennt Fleischgerichte wie Rouladen und Schnitzel als persönliches Lieblingsgericht, 17 Prozent bevorzugen Nudelgerichte, jeder Zehnte isst am liebsten Gemüsegerichte wie Salate. Jeweils 6 Prozent geben Fischgerichte und Eintöpfe als ihre Favoriten an.

Das zeigt schon: Ein Volk von Vegetariern und Veganern sind die Deutschen beileibe nicht. Nur 6 Prozent geben an, sich vegetarisch zu ernähren, ein Prozent vegan. Dennoch, sagt Klöckner: Das Interesse an fleischfreien Produkten wachse.

So geben mit aktuell 28 Prozent (2015: 34) immer weniger Verbraucher an, täglich Fleisch und Wurst zu essen. Allerdings verzeichnet der tägliche Verzehr von Obst und Gemüse keine Zuwächse – er fiel von 76 Prozent auf 71. Kurios: Im Osten fällt der Obstkonsum mit 80 Prozent gegenüber dem Westen (69) genauso überdurchschnittlich aus wie der tägliche Fleischverzehr mit 43 Prozent (26).

Forsa-Chef Manfred Güllner warnt vor Überinterpretationen der vorgelegten Zahlen. „Zwischen dem Bewusstsein und dem tatsächlichen Verhalten im Alltag der Befragten liegt eine Kluft.“ Es sei Aufgabe der Politik, aufgrund solcher Zahlen auch die Verhaltensebene zu erreichen, so Güllner.

Verbraucherorganisationen wie Foodwatch fordern deshalb schon lange gesetzlich verordnete Zwangsmaßnahmen wie ein Verbot für die Vermarktung ungesunder Lebensmittel für Kinder oder eine „Limo-Steuer“, damit Hersteller einen Anreiz haben, weniger Zucker in ihre Getränke zu mischen.

Ernährungsministerin Klöckner hält davon wenig. „Gesetze müssen Wirkung zeigen. Beim Essen entscheidet jeder selbst. Darum setze ich auf die Wissensvermittlung, wie man gesund isst, spätestens ab Kita und Schule.“ Die Ministerin verspricht sich viel von der im Dezember auf den Weg gebrachten, freiwilligen Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie zur Reduzierung von Zucker, Fetten und Salzen in den Produkten und neuen, innovativen Angeboten. Klöckner: „Gesund funktioniert nur, wenn es auch schmeckt.“

Lieferdienste? Nein danke

Julia Klöckner (CDU), Bundesagrarministerin, stellt den Ernährungsreport 2019 "Deutschland, wie es isst" vor. Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Aus diesem Grund kochen 40 Prozent der Deutschen noch jeden Tag selbst, wird im Report angegeben. 37 Prozent immerhin noch zwei- bis dreimal in der Woche. Das hat sich in den vergangenen Jahren kaum geändert und hängt von der Haushaltsgröße ab oder ob Kinder im Haushalt leben. 10 Prozent geben an, nie selbst zu kochen.

20 Prozent der Befragten geben deshalb an, normalerweise einmal in der Woche oder häufiger in einer Kantine zu essen. 19 Prozent besuchen mindestens einmal in der Woche eine Gaststätte. Überraschend: Mit 6 Prozent der Befragten lassen sich nur wenige fertige Gerichte nach Hause liefern.

Im letzten Jahr verlor der Glauben, dass in Deutschland verkaufte Lebensmittel gesundheitlich unbedenklich und, was Inhaltsstoffe, Zusatzstoffe und mögliche Rückstände anbelangt, sicher sind. 72 Prozent finden das heute so, 2015 waren es noch 77.

Das liegt vielleicht auch daran, dass 16 Prozent aller Befragten nach eigenen Angaben unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Nahrungsmittelallergie wie an einer Laktoseintoleranz oder an Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel wie Fisch, Nüsse oder Eier leiden.

Die Verbraucher schauen daher immer genauer auf die Inhaltsangaben auf Verpackungen und Gütesiegel. Die Bedeutung der Angaben zu Inhalts-, Zusatz- und Hilfsstoffen sind auf 84 Prozent gestiegen (2015: 77). Herkunftsland oder -region wollen 80 Prozent der Befragten unbedingt wissen. Gegenüber den Befragungen aus den Vorjahren ist der Anteil derer, die Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen als sehr wichtig empfinden, deutlich gestiegen.

So wichtig sind den Deutschen Bio-Siegel

Laut Ernährungsreport nimmt für Verbraucher trotz des unübersichtlichen Dschungels entsprechender Angeboten das Gütesiegel im Lebensmittelbereich einen vertrauensvollen Platz ein. 50 Prozent der Befragten geben an, dass sie beim Einkauf von Lebensmitteln auf das „Biosiegel“ achten, mit dem Produkte gekennzeichnet sind, die nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erzeugt wurden.

Jeweils 42 Prozent suchen beim Einkauf von Lebensmitteln das „Fairer-Handel-Siegel“, das Produkte kennzeichnet, bei deren Herstellung bestimmte soziale und teilweise auch ökologische Kriterien eingehalten werden. Auf das Bio-Siegel sowie das „Fairer-Handel-Siegel“ achten Westdeutsche häufiger als Ostdeutsche. Und Männer schauen häufiger als Frauen auf das Ablaufdatum von Lebensmitteln.

Eine Mehrheit der Befragten von 81 Prozent befürwortet ein staatliches Tierwohl-Label. Das von Klöckner betriebene und von Foodwatch als Mogelpackung bezeichnete Projekt soll Produkte etikettieren, die von Nutztieren stammen, die besser gehalten werden, als es gesetzlich vorgeschrieben ist. Dafür würde die Hälfte der Deutschen für ein Kilogramm Fleisch, das aus herkömmlicher Produktion 10 Euro kostet, bis zu 15 Euro bezahlen würden. 22 Prozent würden dafür bis zu 20 Euro bezahlen, für 8 Prozent wäre sogar ein Preis von mehr als 20 Euro akzeptabel.

Und was ist mit den Fleisch-Alternativen? Die deutliche Mehrheit der Befragten würde keine kaufen. 38 Prozent ließen sich noch auf Fleisch-Ersatzprodukte ein. Immerhin fast ein Drittel (31 Prozent) können sich vorstellen, aus Insekten hergestellte Nahrungsmittel statt Fleisch zu kaufen. Übrigens deutlich mehr Männer als Frauen.

Lesen Sie hier:
Das hält Foodwatch vom Ernährungsreport

Von Thoralf Cleven/RND

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