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Deutschland / Welt Erneut mehr Studienanfänger trotz Semestergebühren
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Erneut mehr Studienanfänger trotz Semestergebühren
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16:22 09.12.2009
In Deutschlands Horsäle sitzen immer mehr Studienanfänger.
In Deutschlands Horsäle sitzen immer mehr Studienanfänger. Quelle: ddp
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Die Zahl der Studienanfänger an deutschen Hochschulen ist trotz Studiengebühren weiter gestiegen. So hätten im laufenden Jahr 423 400 junge Menschen ein Studium begonnen, sagte der Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, Peter Weigl, am Mittwoch in Berlin“. Die Studienanfängerquote stieg damit von 40 Prozent in 2008 auf 43 Prozent in 2009.

Einen statistischen Zusammenhang zwischen Studiengebühren und der Wahl der Hochschule lässt sich nach Angaben der Statistiker nicht erkennen. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) wertete Deutschland vor diesem Hintergrund als einen „sehr erfolgreichen Hochschulstandort“. Unterdessen kündigten Studenten weitere Proteste an. Am Donnerstag wollen sich die zuständigen Minister der Länder zur Kultusministerkonferenz in Bonn treffen.

Die Einführung der Bachelorstudiengänge sowie ein durch Studiengebühren verändertes Studierverhalten haben nach Angaben Weigls dazu beigetragen, dass auch die durchschnittliche Studiendauer zurückgegangen ist. Studenten benötigten im Prüfungsjahr 2008 durchschnittlich 9,6 Semester, um ihr Studium abzuschließen. 2000 war es noch rund ein Semester mehr.

Bei den klassischen Studiengängen verringerte sich die Studiendauer seit 2000 um 0,6 Fachsemester. Derzeit erheben die Hochschulen in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Saarland Studiengebühren. In NRW obliegt die Entscheidung über Studiengebühren den einzelnen Hochschulen.

Zum Wintersemester 2007/2008 schlossen 68 Prozent der Studenten, die ihr Studium zwischen 1997 und 1999 begannen, ihre Studienzeit erfolgreich ab. Somit hat ein knappes Drittel der Studienanfänger keinen Abschluss erreicht. Bei den Frauen lag die Erfolgsquote mit 70 Prozent höher als bei männlichen Studenten (66,5 Prozent).

In naturwissenschaftlich-technischen Fächern erreichte die Zahl der Absolventen im Prüfungsjahr 2008 mit 102.400 einen Höchststand. Grund dafür sei vor allem die seit 1995 gestiegene Zahl der Studienanfänger in diesem Bereich, sagte Weigl.

Schavan zeigte sich über die Entwicklung erfreut. Sie sagte: „Wir brauchen diesen hoch qualifizierten Nachwuchs für Forschung und Innovation, um die zukünftigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern.“

Unterdessen hat das Bildungsstreikbündnis zu Protesten während der Kultusministerkonferenz aufgerufen. Die hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Nicole Gohlke, forderte die Kultusminister in diesem Zusammenhang auf, einheitliche Vorgaben und Richtlinien für die Bachelor-/Masterstudiengänge zu beschließen. Grünenchefin Claudia Roth verlangte, die Studenten aktiv an den Reformen der Studiengänge zu beteiligen.

Seit Monaten protestieren Studenten bundesweit für Verbesserungen im Bildungssystem und eine Überarbeitung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge. Schavan hatte daraufhin angekündigt, die BAföG-Sätze zum 1. Oktober 2010 zu erhöhen. Die genaue Höhe ist noch unklar. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und das Deutsche Studentenwerk (DSW) sprachen sich am Mittwoch für eine Erhöhung von mindestens drei bis vier Prozent aus.

ddp