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Deutschland / Welt Erster Schritt zum Bundes-Abitur
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07:57 27.02.2012
Bald dieselben Aufgaben in Deutsch, Englisch und Mathe: Abiturienten bei der Prüfung. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover/Berlin

Effi Briest ist nicht gleich Effi Briest. In Bayern ist „Effi“, wie Abiturienten die liebestaumelnde Romanheldin Theodor Fontanes mit einer Mischung aus Vertrautheit und Überdruss gern nennen, offenbar fordernder als in Niedersachsen. Jedenfalls legen dies Studien nahe, wonach Abiturienten hierzulande für dieselbe Abi-Note weniger können müssen als Schüler in Bayern. Mit dem Leistungsgefälle soll nun Schluss sein. Nach der mehr als ein Jahrzehnt währenden Debatte um mangelnde Vergleichbarkeit der Abschlussnoten sollen im Abi-Jahr 2014 niedersächsische Abiturienten erstmals die gleichen Aufgaben gestellt bekommen wie ihre Altersgenossen in fünf weiteren Bundesländern.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) hat sich mit seinen Länderkollegen aus Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und des Pisa-Primus Sachsen darauf verständigt, den Prüflingen des Jahres 2014 identische Aufgaben oder zumindest gleiche Aufgabenteile vorzulegen. Zunächst soll sich das Bundes-Abi auf die Leistungskurse in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathe beschränken. Eine Arbeitsgruppe aus Schulexperten der sechs Länder tüftelt zurzeit an gemeinsamen, gleich schwierigen Aufgaben. Die Zeit drängt ein wenig, denn schon im April dieses Jahres wollen die Kultusminister erste gemeinsame Musteraufgaben veröffentlichen; nur so, zum Üben. Zum Herbst 2013 soll es je eine Klausur in den drei Fächern mit gemeinsamen Fragestellungen im dritten Kurshalbjahr der Oberstufe geben, bevor es dann für die jetzigen Zehntklässler im Frühjahr 2014 mit dem länderübergreifenden Abitur ernst wird.

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Es ist ein bisschen so wie auf dem Pausenhof, wo der Gong zur nächsten Unterrichtsstunde auch immer zu früh einzusetzen scheint: Gerade erst haben Niedersachsens Schüler und Lehrer in einem gemeinsamen Kraftakt die Gymnasialzeit auf acht Schuljahre verkürzt, sich hier und da mit zugedrücktem Auge gegen die prall gefüllten Curricula verschworen, da steht ihnen mit dem Bundes-Abi schon die nächste verordnete Herausforderung ins Haus. Zeit zum Verschnaufen bleibt da nicht, der Landeselternrat und die Lehrergewerkschaft GEW sprechen denn auch von einem „Schnellschuss“, solange Lehrpläne, Stundenzahlen und Lernvoraussetzungen in den einzelnen Ländern noch so unterschiedlich seien.

Das Kultusministerium in Hannover verweist zur Beschwichtigung auf die nun schon länger währenden Bemühungen der Länder um eine Angleichung der Unterrichtsanforderungen. Noch in diesem Jahr will man ganz offiziell „nationale Bildungsstandards“ definieren. Das ist wohl unvermeidlich, wenn es im Abi-Jahr 2014 nicht, in Anlehnung an Fontane, zu föderalen „Irrungen, Wirrungen“ kommen soll.

Marina Kormbaki und Saskia Döhner