Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Ethikrat will Babyklappe schließen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Ethikrat will Babyklappe schließen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:11 26.11.2009
Von Michael B. Berger
Lebensretter oder ethisch nicht vertretbar? Die Babyklappe im hannoverschen Friederikenstift. Quelle: Michael Thomas
Anzeige

Die Babyklappen seien ethisch und rechtlich sehr problematisch, erklärte das Beratergremium der Bundesregierung, weil sie „das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzten“. Stattdessen sollte besser über legale Hilfsangebote informiert werden, riet der Ethikrat. Gut ein Viertel der Mitglieder des Rates, unter ihnen die Vertreter der Kirchen, bezeichneten in einem Sondervotum hingegen die Babyklappen als „letzten Ausweg“ (ultima ratio).

Käßmann, die auch Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, zeigte sich höchst erstaunt über die Forderung des Ethikrates. „Das Babykörbchen ist die ultima ratio in einem Netzwerk verschiedener Hilfen. Wesentlichen Anteil am Gelingen des Konzepts hat der 24-Stunden-Notruf, der anonyme Beratung sicherstellt“, sagte Käßmann vor der Herbstsynode der hannoverschen Landeskirche.

Anzeige

Der Ethikrat äußert in seiner 70-seitigen Stellungnahme „Das Problem der anonymen Kindesabgabe“ hingegen die Befürchtung, dass die „Notlösung“ Babyklappe nach und nach als normal betrachtet werde. Dies sei aber das grundsätzlich falsche Signal. „Die Gesellschaft sollte keine direkten und auch keine indirekten Anreize bieten, Eltern aus ihrer Verantwortung zu entlassen“, heißt es. Es sei bekannt, dass Findelkinder, die nichts über ihre Eltern wüssten, schwer litten. Deshalb werde mit dem Angebot der Babyklappen das Recht des Kindes auf physische und psychische Unversehrtheit verletzt.

Ferner legten die Erfahrungen mit den Babyklappen nahe, dass Frauen, die beabsichtigten, ihr Baby zu töten, gar nicht erreicht würden. „Der Ethikrat geht selbst von Annahmen aus, die ungesichert und fragwürdig sind“, konterte Käßmann: „So ist die Annahme äußerst zweifelhaft, legale Hilfen würden von Schwangeren in Not besser genutzt, wenn nur die Aufklärung über die Hilfsangebote verbessert würde.“ Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann sagte, dass die vier Babyklappen in Hannover, Braunschweig, Osnabrück und Nordhorn elf Babys gerettet hätten. „Allein das rechtfertigt ihre Existenz.“