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Deutschland / Welt Europäische Union gibt Kopenhagen nicht verloren
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Europäische Union gibt Kopenhagen nicht verloren
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07:53 24.11.2009
Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass infolge der globalen Erwärmung immer mehr Festlandeis aus der Antarktis und von Grönland ins Meer abrutscht und der Pegel weit stärker steigt als ohnehin befürchtet. Quelle: afp
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Der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren gilt nicht gerade als Einpeitscher. Dennoch scheint der sonst so abgeklärt wirkende Skandinavier diesen Posten in der EU nun eingenommen zu haben. Der Grund: Die Klimakonferenz von Kopenhagen droht zu scheitern. Deshalb versuchte Carlgren gestern beim Treffen der EU-Umweltminister – es war das letzte vor dem UN-Gipfel im Dezember –, große Entschlossenheit zu verbreiten. „Wir werden noch gewaltig Druck machen“, sagte er mit Blick auf die Schwellenländer.

Druck wird in den zwei Wochen, die noch bis zu Beginn der Konferenz bleiben, nötig sein. Denn weder China noch die USA haben sich bisher konkret geäußert, inwiefern sie ihren Ausstoß an Treibhausgasen begrenzen wollen. Dabei sind die beiden Länder für fast die Hälfte aller globalen Emissionen verantwortlich. Auch Indien, das seinen CO2-Ausstoß seit 1990 mehr als verdoppelt hat, will sich bisher nicht auf ein Ziel festnageln lassen. Schon vor Wochen hat sich die Weltgemeinschaft deshalb davon verabschiedet, in Kopenhagen ein rechtlich verbindliches Abkommen auszuhandeln, wie es eigentlich seit Jahren geplant war. Jetzt soll lediglich ein politischer Vertrag zustande kommen, der nach Wunsch der Europäer aber immerhin Reduktionsziele eines jeden Landes sowie Finanzzusagen enthalten soll. Rechtsverbindliche Ziele sollen jedoch erst in den folgenden Monaten erarbeitet werden.

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Mut machte sich angesichts der verzwickten Lage auch der neue Bundesumweltminister. Norbert Röttgen (CDU) nahm gestern an seinem ersten Brüsseler Ministerratstreffen teil. „Kopenhagen muss ein Erfolg werden“, beschwor Röttgen seine EU-Kollegen. Ein Scheitern hätte katastrophale Folgen für die Erde. In der dänischen Hauptstadt müsse es deshalb gelingen, in den wichtigsten Punkten eine Einigung zu finden. Europa halte weiterhin an seiner „Vorreiterschaft“ und seinen Klimazielen fest.

Schweden, das noch bis Ende des Jahres den EU-Vorsitz innehat, wird die Verhandlungen im Namen der EU führen. Mit folgender Position wird Andreas Carlgren in den Ring steigen: Die CO2-Emissionen sollen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gesenkt werden, Vergleichsjahr ist das Jahr 1990. Zum ersten Mal will die EU auch den internationalen Luft- und Seeverkehr in die Pflicht nehmen. Beide Sektoren sind im aktuellen Klimavertrag, dem Kyoto-Protokoll, nicht berücksichtigt. Flugzeuge sollen demnach ihre Emissionen bis 2020 um zehn Prozent gegenüber 2005 verringern, Schiffe sogar um 20 Prozent.

Hanna Roth