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Deutschland / Welt Evangelische Kirche dringt auf mehr Sozialkompetenz bei der Bildung
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21:57 26.06.2010
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider. Quelle: dpa (Archiv)
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In der gegenwärtigen Bildungsdebatte kommen aus Sicht der evangelischen Kirche die „Schärfung des Gewissens und der Sozialkompetenz“ zu kurz. Statt dessen werde sie auf den Wissensaspekt verengt und einseitig auf Vernützlichung von Bildung ausgerichtet, kritisierte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider am Sonnabend in Magdeburg. Anlässlich der Einführung der Reformation in Magdeburg im Jahr 1524 erinnerte er laut vorab veröffentlichtem Redetext daran, dass Menschen zu bilden ein elementares Anliegen der Reformation war.

Für Luthers Weggefährten Philipp Melanchthon, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 450. Mal jährt, habe die pädagogische Aufgabe in den Mittelpunkt aller Bemühungen gehört. Erziehung sei für den „Lehrer der Deutschen“ das Mittel gewesen, um Harmonie im Inneren des Menschen und in der Gesellschaft zu fördern.

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Melanchthon habe mit seinem Bildungsbegriff nicht eine Wettbewerbsgesellschaft, sondern einen Weg in Gemeinschaft vor Augen gehabt, fügte der EKD-Ratsvorsitzende hinzu. Aufgabe der Kirche in der heutigen Bildungslandschaft sei es, darauf hinzuweisen, dass Wissen ein menschliches Maß brauche. Der Slogan „Bildung für alle“ sei bereits bei Melanchthon vorgezeichnet gewesen.

Bildungsgerechtigkeit eingefordert

„Gegenüber einer Gesellschaft, in der die familiäre Herkunft eines Kindes über den Bildungserfolg entscheidet, würde er alle rhetorischen Bataillone aufbieten, um sie auf den Weg der Bildungsgerechtigkeit zu bringen“, sagte Schneider. Für Melanchthon, der in der Sprache das wichtigste Instrument des Geistes sah, habe ein nachlässiger oder fehlerhafter Sprachgebrauch auch auf fehlerhaftes Denken hingewiesen. „Irrtümer oder fanatisches Denken treten häufig mit einer verworrenen Sprache und mit schlechtem Sprachstil gemeinsam auf“, sagte Schneider.

Frühe Sprachförderung in der heutigen Elementarpädagogik könne Bildungsgerechtigkeit für alle Gruppen der Bevölkerung ermöglichen, besonders bei der Eingliederung von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen erzieherischen, sprachlichen und kulturellen Voraussetzungen.

Innerhalb der bundesweiten Lutherdekade in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017 steht das Jahr 2010 unter dem Motto „Reformation und Bildung“. Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg gilt als Beginn der Reformation. Weltweit rund 400 Millionen Protestanten sehen in dem Wittenberger Thesenanschlag und seinen historischen Folgen ihre geistlichen und konfessionellen Wurzeln.

ap/dpa