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Deutschland / Welt Klöckner löst mit Nestlé-Video Shitstorm aus – ihre Reaktion macht es nur noch schlimmer
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Experte zu Klöckners Krisenkommunikation: „Rezept, die Empörungswelle zu verlängern“

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22:26 06.06.2019
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat wegen eines Videos auf Twitter Ärger am Hals. Quelle: imago
Berlin

Mit Anlauf ins Fettnäpfchen: Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat mit einem kurzen Video eine Welle der Empörung in den sozialen Medien ausgelöst. Es ist nicht der erste „Shitstorm“ dieser Art. Schaden diese Aufwallungen der Politik? „Nicht zwangsläufig“, sagt der Kommunikations-Experte Prof. Wolfgang Schweiger von der Universität Hohenheim.

In einem auf der Twitter-Seite des Ministeriums hochgeladenen Video präsentiert sich Klöckner mit dem Nestlé-Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch. Die Ministerin dankt Nestlé darin für die Unterstützung bei der Reduzierung von Zucker, Salz und Fett „in den Produkten, die die Bürger gerne mögen“.

Das Video brachte in kürzester Zeit Tausende Twitter-User auf die Palme. Ihr Vorwurf: ein unkritischer Umgang mit dem Lebensmittel-Konzern, der unter anderem mit der Privatisierung von Wasserrechten in Entwicklungsländern Negativ-Schlagzeilen macht. Mitauslöser des „Shitstorm“ war der Youtuber Rezo, der das Video mit den Worten kommentierte: „Hätte ich exakt diesen Tweet mit genau diesem Video gepostet, hätte ich es als #werbung kennzeichnen müssen.“ Neben Bundespolitikern wie Karl Lauterbach (SPD) oder Katrin Göring-Eckardt (Grüne) kritisierte auch die Verbraucherorganisation foodwatch Klöckner.

Die Möglichkeit, bestimmte Themen breit und konstruktiv zu diskutieren

„Wenn Nutzer mit einer großen Reichweite wie Rezo auf ein Thema gehen, kann die Wirkung riesig und durchaus positiv sein“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Prof. Wolfgang Schweiger von der Universität Hohenheim. „Es eröffnet die Möglichkeit einer breiten und konstruktiven Diskussion: in diesem Fall über die zu große Nähe zwischen Politik und Wirtschaft.“ Allerdings sei nicht jeder „Shitstorm“ automatisch gut: „Denken Sie an Hetzkampagnen von Rechten im Netz.“

Politiker und Institutionen geraten immer wieder in diese „Wut-Stürme“. Grünen-Chef Robert Habeck verabschiedete sich im Januar aus den sozialen Medien, nachdem er auf Twitter indirekt die Demokratie in Thüringen in Frage gestellt hatte (und gehackt wurde). Die Bundeswehr musste sich kürzlich als „geschichtsvergessen“ kritisieren lassen, nachdem sie auf Plakaten mit dem Slogan „Gas. Wasser. Schießen“ für Handwerker-Nachwuchs geworben hatte. Schließlich habe das deutsche Heer als erste Armee der Welt im ersten Weltkrieg Giftgas eingesetzt, so der Vorwurf.

Experte Schweiger: „Oft leben Shitstorms auch davon, dass Dinge aus dem Zusammenhang gerissen werden. Wer öffentlich kommuniziert, muss das bedenken. Bundeswehr und Gas passen jedenfalls sicher nicht zusammen.“ Spitzenpolitiker achteten meistens auf ihre Wortwahl, so Schweiger. Dies führe dann aber eben auch zu einer eher floskelhaften Sprache.

Und Klöckner? Die Ministerin nannte ihre Kritiker auf Twitter in einer ersten Reaktion „Hatespeaker“, die sich nicht ausreichend informiert hätten. „Das ist ein Rezept, die Empörungswelle zu verlängern“, so Schweiger. „Die Regel für Politiker in einer solchen Situation lautet: Reagiere auf die Kritik. Tue dies nicht von oben herab. Und tue es aufrichtig.“ Klöckners Mitarbeiter scheinen dies eher verinnerlicht zu haben, als die Ministerin selbst. Das Ministerium twitterte immerhin zunächst: „Wir verstehen eure Argumente“, bevor es Klöckner verteidigte.

Von Christian Burmeister/RND

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