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Deutschland / Welt Exterrorist Boock sagt im Prozess gegen Becker aus
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Exterrorist Boock sagt im Prozess gegen Becker aus
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13:45 22.12.2010
Peter-Jürgen Boock Quelle: dpa
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Das Oberlandesgericht Stuttgart hat den früheren RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock als Zeugen im Prozess gegen Verena Becker geladen. Er soll im Mordfall Siegfried Buback an insgesamt drei Verhandlungstagen – 25. und 27. Januar sowie 3. Februar – aussagen. Boock ist der wichtigste Zeuge der Anklage. Seine Angaben gegenüber der Bundesanwaltschaft haben maßgeblich zur Mordanklage gegen Becker geführt. Für Beckers Verteidiger stellt sich allerdings die Frage, warum nur Becker als Mittäterin auf der Anklagebank sitzt und nicht auch Boock.

Die frühere Terroristin Becker ist angeklagt, gemeinsam mit anderen RAF-Mitgliedern am 7. April 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine beiden Begleiter getötet zu haben. Die Bundesanwaltschaft bezichtigt sie, durch ihre Entschlossenheit die direkten Täter in ihrer Mordabsicht bestärkt zu haben. Sie wird nicht beschuldigt, selbst die tödlichen Schüsse vom Sozius des Motorrads abgegeben zu haben.

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Peter-Jürgen Boock hatte der Bundesanwaltschaft am 23. Dezember 2009 berichtet, dass sich Becker besonders intensiv dafür eingesetzt habe, die Anweisungen der in Stammheim inhaftierten RAF-Führungsmitglieder, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe, umzusetzen. Dazu habe der eindeutige Befehl gehört: „Der General muss weg“. „Verena Becker kam es sehr darauf an, den Willen der Stammheimer in der Gruppe draußen durchzusetzen“, sagte Boock.

Bereits im November 2009 hatte Boock der Ermittlungsbehörde von einer „Art Erpressung der Stammheimer“ berichtet: „Wenn wir RAF werden und uns als solche bezeichnen wollten, mussten wir einen solchen Anschlag verüben.“ Er sagte jedoch auch: „Die Entscheidung, Generalbundesanwalt Buback zu töten, war eine gemeinsame und von allen getragene Entscheidung der Kerngruppe der RAF.“ Dazu zählte Verena Becker. Doch auch Boock zählte dazu. Am Ende aller Diskussionen stand „die von allen getragene Entscheidung der Kerngruppe der RAF, Generalbundesanwalt Buback zu töten“, sagte er. Wer den Finger schließlich am Abzug hatte, wisse er jedoch nicht.

Boock wurde unter anderem wegen der Ermordung von Jürgen Ponto und der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer verurteilt. Der heute 59-Jährige gilt als Plaudertasche der RAF. Seine Glaubwürdigkeit wurde in der Vergangenheit mehrfach infrage gestellt. Kurt Rebmann, der Siegfried Buback im Amt des Generalbundesanwalts nachfolgte, warf ihm ein „taktisches Verhältnis zur Wahrheit“ vor. Ehemalige Mitglieder der RAF unterstellen Boock Geltungssucht.

Wiebke Ramm