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Deutschland / Welt Extinction Rebellion: Apokalypse jetzt
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Extinction Rebellion in Deutschland: Nicht viel mehr als ein Hype

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14:14 08.10.2019
Aktivisten der Klimabewegung „Extinction Rebellion“ haben zum Auftakt ihrer Aktionswoche „Berlin blockieren“ die Zufahrten zum Großen Stern an der Siegessäule blockiert. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Die Verkehrslage in Berlin am Morgen des 7. Oktober war so entspannt wie lange nicht mehr. Es sind Herbstferien in der Hauptstadt, die üblichen Staus an den Ausfallstraßen sind verschwunden. Nur rund um den Tiergarten wurde es eng. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt waren rund 1000 selbst ernannte Rebellen aufgebrochen, um den Großen Stern rund um die Siegessäule zu blockieren. Die deeskalationserfahrene Berliner Polizei nahm es gelassen. Sie leitete weiträumig den Verkehr um. Man wolle die Klimaaktivisten von Extinction Rebellion (XR) erst einmal gewähren lassen, sagt Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD). Die zweite Blockade an einem Verkehrsknotenpunkt, am Potsdamer Platz, ist sogar offiziell angemeldet.

50.000 Rebellen braucht es, um eine Hauptstadt lahmzulegen, sagt XR-Gründer Roger Hallam. Von #BerlinBlockieren, so der Hashtag in den sozialen Netzwerken, ist die Aktion in Berlin schon zahlenmäßig weit entfernt. Von Militanz auch. Hier protestiert eine beeindruckend friedfertige und zugleich beunruhigend esoterisch agierende Protestsekte. Ihre riesige Aufmerksamkeit erhält sie durch die radikale Sprache und die apokalyptische Corporate Identity.

Mit einer Aktionswoche in der Hauptstadt wollen die Aktivisten von Extinction Rebellion gegen die Klimapolitik der Bundesregierung protestieren. Zu Beginn der Protestwoche blockierten sie eine wichtige Verkehrsachse in Berlin.

In der demonstrationserfahrenen deutschen Hauptstadt werden ihre Aktionen eher verpuffen. #BerlinBlockieren, das schaffen der explodierende Individualverkehr sowie die chronisch unzuverlässige S-Bahn und die BVG regelmäßig. Und die Hoffnung von XR-Gründer Roger Hallam, dass nämlich ziviler Ungehorsam in fragwürdigen Massenverhaftungen endet, wird in der Welthauptstadt des laissez faire auch enttäuscht werden. So viel ist bereits am Anfang dieser Aktionswoche klar.

Extinction Rebellion ist mit ihren Kunstblutaktionen und der Rede vom „toxischen System“ so etwas wie der Straßen-Soundtrack zu Greta Thunbergs Wutrede vor den Vereinten Nationen – und zwar in der Death-Metal-Version.

Ihre Schlussfolgerungen sind zum Teil falsch und fragwürdig. „Wenn eine Gesellschaft so unmoralisch handelt, wird Demokratie irrelevant“, sagte Hallam kürzlich dem „Spiegel“. Extinction Rebellion fordert Bürgerversammlungen zur Klimapolitik – nicht etwa nur als beratendes Organ, was höchst sinnvoll wäre, sondern als Ersatzorgan mit Verfassungsrang.

Hallam hat unrecht. Die Demokratie ist bei der Klimarettung so relevant wie noch nie – oder wie eh und je. Es geht um ein klassisches Aushandeln widerstreitender Interessen. Die düster-bunten Aktionen von Extinction Rebellion sollen aufwecken. Doch das Land ist längst wach, spätestens nach den Massendemonstrationen zum globalen Klimastreik am 20. September.

Die Bundesregierung setzt das Klimathema in konkrete Politik um. Die radikalsten Forderungen kommen nicht von der Straße, sondern von der Industrie. Die Angst vor Gelbwesten und AfD-Erfolgen lähmt die Regierung zusätzlich. Auf der anderen Seite stehen die Hunderttausenden Klimaschutzbewegten, die nun zunehmend frustriert und ungeduldig werden.

Die Klimabewegung muss radikal bleiben und radikaler werden. Sie muss Debatten führen, Lösungen präsentieren, Angriffe aushalten, und es schadet der Aufmerksamkeit bestimmt nicht, wenn sie ab und an mal eine Straße blockiert. Aber sie darf sich dabei nicht lächerlich machen.

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Von Jan Sternberg/RND

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