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Deutschland / Welt Ein zweiter Snowden
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06:27 29.10.2014
Von Stefan Koch
Wie der Enthüllungsjournalist Michael Isikoff berichtet, hat die US-Bundespolizei die undichte Stelle womöglich schon ausfindig gemacht. Quelle: Nicolas Armer
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Washington

Eigentlich dachten die amerikanischen Sicherheitsbehörden, das Gröbste sei überstanden. Der NSA-Informant Edward Snowden befindet sich zwar weiterhin im russischen Exil, neue Enthüllungen über die ungeheuerliche weltweite Abhörpraxis des US-Geheimdienstes NSA allerdings wurden in letzter Zeit weniger. Doch offenbar hat der Whistleblower nicht nur eine Menge Geheimes über seinen Ex-Arbeitgeber veröffentlicht - er inspiriert auch ehemalige NSA-Kollegen zum Nachahmen. Die US-Bundespolizei FBI jedenfalls fahndet bereits nach „Snowden zwei“.

Wie der Enthüllungsjournalist Michael Isikoff berichtet, hat die US-Bundespolizei die undichte Stelle womöglich schon ausfindig gemacht. Das Privathaus eines Verdächtigen, das unweit der US-Hauptstadt im Norden Virginias steht, sei durchsucht worden. Ebenso wie Snowden sei der neue Informant für eine Sicherheitsagentur tätig, die regelmäßig von der National Security Agency (NSA) Aufträge erhalte.

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Vor wenigen Wochen soll der Tippgeber sensible Daten über die Terrorbeobachtungsliste weitergegeben haben. In dem Bericht auf der Internetplattform „The Intercept“, die von dem Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald betrieben wird, hieß es, dass die Sammlung von 680. 000 angeblichen Terrorverdächtigen zur Hälfte aus Personen bestehe, die keine Kontakte zu Terrorbanden hätten. Neben Sympathisanten von Al Qaida und anderen Extremisten würden unzählige Bürger aus aller Welt aufgeführt, die offensichtlich unschuldig seien. Da die Dokumente erst in diesem Jahr erstellt wurden, kann Snowden nicht die Quelle sein. Er hielt sich in Moskau auf.

Spekulationen über einen „zweiten Snowden“ machen schon länger die Runde. Greenwald selbst hatte angedeutet, dass sich ihm ein zweiter Whistleblower anvertraut haben könnte. Auch in der aktuellen Dokumentation „Citizenfour“ über Snowden ist von einer „neuen Quelle“ die Rede. Allerdings ist über den neuen mutmaßlichen Spion wenig bekannt.

Noch sei nicht einmal klar, ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, schreibt Isikoff. Er vermutet, dass der Appetit der Justizbehörden auf derartige Fälle nicht mehr groß sei. Zum einen zeige der Protest von Bürgerrechtlern Wirkung, die sich gegen die Strafverfolgung von Whistleblowern wehren. Zum anderen will sich Justizminister Eric Holder offenbar auf den letzten Metern keinen neuen Ärger einhandeln. Er hat seinen Rücktritt bereits vor einigen Wochen angekündigt.