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Deutschland / Welt Fast jeder dritte ausländische Jugendliche ohne Abschluss
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Fast jeder dritte ausländische Jugendliche ohne Abschluss
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07:21 16.06.2010
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Jeder sechste junge Mensch in Deutschland zwischen 20 und 30 Jahren hat keinen Berufsabschluss und befindet sich auch nicht mehr in Bildungsmaßnahmen. Das geht aus dem neuen Bildungsbericht von Bund und Ländern hervor, der am Donnerstag in Berlin präsentiert werden soll. Besonders dramatisch ist die Situation für 20- bis 30-Jährige mit Migrationshintergrund, von denen über 30 Prozent ohne Berufsabschluss sind und sich auch nicht mehr weiterqualifizieren. Bei jungen Frauen türkischer Herkunft in dieser Altersgruppe sind es sogar 47,5 Prozent.

Niedersachsens neue Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) nannte diese Zahlen „in höchstem Maße alarmierend“. Sie zeigten, dass Bund und Länder ihre gemeinsamen Anstrengungen für die Migranten verstärken müssen, etwa durch ausbildungsbegleitende Trainingsmaßnahmen. „Wenn türkischstämmige Jugendliche erst einmal einen Ausbildungsplatz gefunden haben, prallen zwei bis drei Kulturen aufeinander“, sagte Özkan der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Viele Jugendliche sind schon mit Beginn der eigentlichen Ausbildung überfordert. Sie müssen sich an neue Tagesstrukturen, Hierarchien und neue Arbeitsweisen gewöhnen. Gelingt dies nicht, brechen sie die Ausbildung ab.“ Deshalb habe Niedersachsen bereits ein Modellprojekt geschaffen, das sich speziell an Migrantenkinder richte, sagte Özkan.

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Am heutigen Mittwoch will das Bundeskabinett Hilfen zur Eingliederung in die Berufsausbildung für lernschwächere Jugendliche beschließen. Mit 17 Prozent unter den 20- bis 30-Jährigen hat die Zahl der Ungelernten in Deutschland offensichtlich einen neuen Höchststand erreicht. In dem neuen Bund-Länder-Bericht wird diese Quote für das Jahr 2008 ausgewiesen. 2007 waren dies laut einem früheren Regierungsbericht erst 15,2 Prozent. Dies waren 1,5 Millionen junge Menschen.

Niedersachsens Sozialministerin Özkan kündigte an, schon bald mit den zuständigen Kammern zu sprechen, um weitere ausbildungsbezogene Coachings zu entwickeln. „Die Jugendlichen brauchen offensichtlich mehr Begleitung, zumal die Eltern oft damit überfordert sind“, sagte sie. Darüber hinaus kündigte sie neue Initiativen Niedersachsens in der Integrationspolitik an. „Gemeinsam mit dem Bund müssen wir erreichen, dass im Ausland erworbene Berufsabschlüsse oder Qualifikationen auch hier besser genutzt werden – ohne die Standards zu verwässern.“ Hier bräuchte man „Erstanlaufstellen bei den Agenturen für Arbeit.

Michael B. Berger 
und Karl-Heinz Reith