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Deutschland / Welt König Felipe VI. schwört feierlichen Eid
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15:56 19.06.2014
Spaniens neuer König Felipe VI hält im Parlament seine Antrittsrede. Quelle: EPA/Ballesteros
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Madrid

Spanien hat einen neuen König. Der bisherige Kronprinz Felipe wurde in der Nacht zum Donnerstag offiziell neues Staatsoberhaupt des Landes. Der 76-jährige König Juan Carlos hatte am Mittwoch nach fast 39 Jahren auf dem Thron seine Abdankung unterzeichnet. Das Gesetz zum Thronverzicht wurde nach Mitternacht im Amtsblatt veröffentlicht und damit rechtswirksam. Am Donnerstag Vormittag legte sein Sohn Felipe vor dem Parlament in Madrid den Amtseid ab und wurde zum König Felipe VI ernannt.

Der 46 Jahre alte Monarch schwor, die in der Verfassung festgelegten Aufgaben zu erfüllen. Er glaube an diese „große Nation", er liebe sie, sie liege ihm am Herzen, sagte Felipe anschließend bei seiner Antrittsrede. „Ich werde immer das Allgemeininteresse im Auge haben." Anders als beim Amtsantritt seines Vaters im November 1975 legte der neue König den Eid auf die demokratische Verfassung ab. Die Eidesformel enthielt keine religiösen Formulierungen.

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Juan Carlos Sohn Felipe legte vor dem Parlament in Madrid den Amtseid ab.

Felipe ist nunmehr der jüngste König in Europa. Seine achtjährige Tochter Leonor wurde neue Kronprinzessin. Bei der Zeremonie waren auch ihre sieben Jahre alte Schwester Sofia, Juan Carlos Ehefrau Sofia (75) und Felipes Ehefrau Letizia anwesend. Die frühere Fernsehjournalistin Letizia Ortiz (41) wurde die erste Königsgemahlin in der Geschichte der spanischen Monarchie, die einer bürgerlichen Familie entstammt. Bei der Vereidigung zeigte sie sich in einem hellen kurzen Mantelkleid und lächelte ihrem Mann vor der Rede immer wieder zu.

Ausländische Staatsgäste und Mitglieder anderer Königshäuser waren bei den Feierlichkeiten nicht dabei. Angesichts der Wirtschaftskrise hatte sich das Königshaus für einen vergleichsweise bescheidenen Rahmen entschieden. Juan Carlos war unter anderem in die Kritik geraten, weil er sich in Krisenzeiten eine Elefantenjagd in Afrika geleistet hatte. Zudem war im Plenarsaal des Parlaments nicht genügend Platz für ausländische Gäste.

Zuvor hatte Felipe im Madrider Zarzuela-Palast bereits von seinem Vater die Schärpe des Oberbefehlshabers der Streitkräfte entgegengenommen. Anschließend fuhr das neue Königspaar im Rolls-Royce zum Parlament. Tausende Schaulustige säumten bei strahlendem Sonnenschein die Straßen und schwenkten rot-gelb-rote Fähnchen - von der WM-Niederlage der spanischen Fußballnationalmannschaft am Mittwochabend gegen Chile ließen sich zumindest die Royal-Fans die Stimmung nicht verderben. Nach der Antrittsrede wollte das Königspaar mit der Limousine - derselben wie bei ihrer Hochzeit im Mai 2004 - durch das Stadtzentrum zum Palast fahren.

Der Weg auf den Thron ist frei für Felipe: Juan Carlos hat die Abdankungsurkunde unterschrieben.

Für Spanien brach mit der Vereidigung von Felipe VI. eine neue Epoche an. Der Abdankung von Juan Carlos am Mittwochabend hatten im königlichen Palast im Zentrum von Madrid etwa 160 geladene Gäste beigewohnt. Dazu gehörten neben der bisherigen Königin Sofía und Felipe dessen Frau Letizia, die beiden gemeinsamen Töchter Leonor und Sofia, Ministerpräsident Mariano Rajoy und alle Mitglieder der Regierung.

Der an einem Stock gehende Juan Carlos wirkte bei seiner Abdankung gebrechlich und innerlich bewegt. Als der Text der Abdankung verlesen wurde, schien er kurz mit den Tränen zu kämpfen. Nach der Unterzeichnung tauschte er mit Felipe symbolisch den Platz. Nach wenigen Minuten war die Zeremonie vorbei.

Als Schauplatz hatte Juan Carlos den symbolträchtigen Säulensaal des Palasts ausgewählt. Dort hatte Spanien 1985 seinen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft unterzeichnet, wie die Europäische Union damals hieß. In dem Saal war 1975 nach dem Tod von Francisco Franco der Leichnam des Diktators in dem Raum aufgebahrt worden. Juan Carlos hatte Spanien nach dem Tod des Diktators in die Demokratie geführt.

Vor dem Thronwechsel schien es, als hielte das Königsfieber in der spanischen Hauptstadt sich in Grenzen. An der Strecke, die das neue Königspaar nach der Zeremonie im Rolls Royce zurücklegen wird, wurden Bushaltestellen, Säulen und Straßenlaternen mit Banderolen in den spanischen Nationalfarben geschmückt. 16.000 Blumen zierten die Straßen der Hauptstadt.

Anders als bei Felipes verregneter Hochzeit mit der früheren Fernseh-Moderatorin Letizia Ortiz im Mai 2004 wurde für den Amtsantritt des neuen Königs sonniges Wetter mit Temperaturen bis zu 32 Grad vorhergesagt. Rund 6000 Sicherheitskräfte stehen bereit, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Für die Zeit der Zeremonie im Parlament wurden Protestkundgebungen von Gegnern der Monarchie im Zentrum der Hauptstadt verboten.

Bis auf weiteres hat Spanien allerdings nun zwei „Könige" und auch zwei „Königinnen" - zumindest protokollarisch. Der bisherige Monarch Juan Carlos und seine Ehefrau Sofía dürfen ihre entsprechenden Titel auf Lebenszeit behalten und werden gemäß Protokoll auch künftig als Majestät angesprochen. Beiden bleiben einem vom Kabinett verabschiedeten Dekret zufolge "ähnliche Ehren" vorbehalten wie Felipe und Letizia. Seit Juan Carlos Anfang des Monats seine Abdankung als König ankündigte, beschäftigte sich die spanische Regierung mit den rechtlichen Konsequenzen der Entscheidung. Da die spanische Verfassung einen Thronwechsel nach einer Abdankung nicht vorsieht, sahen sich das Abgeordnetenhaus und der Senat gezwungen, den ungewöhnlichen Schritt nachträglich zu billigen.

Vier Herausforderungen für Spaniens neuen König

Spaniens neuer König Felipe VI. steht mit seinem Amtsantritt vor einer Reihe von Herausforderungen. Dazu gehören diese vier:

Krise der Monarchie: Das Königshaus war bei den Spaniern lange Zeit die angesehenste Institution des Staates. In den vergangenen Jahren büßte es stark an Popularität ein. Monarchie-Gegner fordern ein Referendum, in dem die Spanier über die Staatsform entscheiden sollten. Felipe will das Königshaus erneuern und vor allem bei den jungen Leuten neue Sympathien für die Monarchie gewinnen.

Unabhängigkeitsstreben in Katalonien: Die Regierung der wirtschaftsstärksten Region plant für November eine Volksabstimmung über eine Abspaltung Kataloniens von Spanien. Die Regierung in Madrid will dies verhindern. Felipe plädierte dafür, Spanien solle eine „einheitliche und verschiedenartige Nation“ sein. Von ihm wird in Madrid erwartet, dass er den Dialog zwischen dem Zentralstaat und den Katalanen fördert.

Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit: Die spanische Wirtschaft wächst wieder, aber die Arbeitslosenquote ist mit über 25 Prozent eine der höchsten in Europa. Der König hat nicht die Macht, wirtschaftliche Reformen einzuleiten. Aber er kann - wie sein Vater - mit seinen internationalen Kontakten spanischen Unternehmen Wege zu Auftraggebern und Abnehmern im Ausland öffnen.

Korruption: Eine Serie von Skandalen hat das Vertrauen der Spanier in die politischen Parteien untergraben. Die Korruption ist nach Umfragen neben der Arbeitslosigkeit die größte Sorge der Spanier. Felipes Schwester Cristina und deren Mann Iñaki Urdangarin sind selbst in eine Affäre verwickelt, bei der es um die Unterschlagung von staatlichen Geldern einer Stiftung geht. Felipe tritt dafür ein, dass das Königshaus Transparenz walten lässt und mit gutem Beispiel vorangeht.

dpa

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