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Deutschland / Welt Fidel Castro fühlt sich missverstanden
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18:51 11.09.2010
Kubas Revolutionsführer Fidel Castro
Kubas Revolutionsführer Fidel Castro Quelle: afp
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Im zweiten Band seiner Memoiren geht es um die kubanische Revolution. Er kritisierte bei der Gelegenheit auch die französische Roma-Politik als „Rassen-Holocaust“.

„Wie die ganze Welt weiß, ist meine Idee, dass der Kapitalismus nicht einmal mehr für die USA gut ist, und schon gar nicht für die Welt, da er sie von einer Krise in die nächste führt. Die Krisen wiederholen sich und werden immer größer“, sagte der 84-Jährige.

„Wie könnte ein solches System dienlich sein für ein sozialistisches Land wie Kuba?“, fuhr Castro fort, der in dem Karibikstaat vor einem halben Jahrhundert den Kommunismus eingeführt und das Land dann jahrzehntelang regiert hatte, ehe er 2006 die Führung krankheitsbedingt an seinen Bruder Raúl abgab.

Das in der US-Zeitschrift „The Atlantic“ erschienene Interview hatte weltweit Aufsehen und ungläubiges Staunen darüber erregt, dass Castro seine sozialistischen Grundsätze über Bord werfen könnte. „Das kubanische Modell funktioniert nicht einmal mehr für uns“, hatte der Revolutionsführer dem amerikanischen Journalisten auf die Frage geantwortet, ob das kubanische System noch immer exportwürdig sei. „Ich sagte ihm das ohne Bitternis und ohne Besorgnis“, erklärte Castro am Freitag weiter. „Es vergnügt mich jetzt zu sehen, wie er das buchstabengetreu interpretiert.“

Zum Vorgehen der französischen Regierung gegen die aus Bulgarien und Rumänien stammenden Roma sagte Castro: „Das Letzte, was wir erwarten konnten, waren die Nachrichten von der Vertreibung der französischen Zigeuner, die Opfer der extremen Rechten in Frankreich sind (...). Sie sind Opfer einer anderen Art des Rassen- Holocaust.“ Seit Anfang des Jahres hat Frankreich Tausende von Roma in ihre Herkunftsländer auf dem Balkan zurückgeschickt.

dpa