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Deutschland / Welt Fluglotsenstreik - Spanien ruft Alarmzustand aus
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Fluglotsenstreik - Spanien ruft Alarmzustand aus
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14:03 04.12.2010
Hunderte Reisende warten am Flughafen von Teneriffa auf ihren Flug. Quelle: dpa
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Die spanische Regierung hat aufgrund eines wilden Streiks der Fluglotsen den Alarmzustand ausgerufen. Wie Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba am Samstag mitteilte, werden die Lotsen damit rechtlich mit Soldaten gleichgestellt und dem Militärrecht unterstellt.

Wenn die Streikenden der Anordnung zur Wiederaufnahme der Arbeit nicht Folge leisten, können sie wegen Befehlsverweigerung in Schnellverfahren nach militärischem Recht zu langjährigen Haftstrafen verurteilt werden.

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Die großen Flughäfen in Spanien waren am Samstag weiterhin infolge des nicht angemeldeten Streiks gesperrt. Ein Teil der Lotsen erschien zwar zum Dienst, verweigerte aber die Aufnahme der Arbeit.

Auf den Kanarischen Inseln konnte der Luftraum für kurzen Zeit wieder geöffnet werden. Er musste nach Angaben der Flughafenbehörde AENA nach aber bald wieder geschlossen werden. Mehrere Lotsen, die die Arbeit wieder aufgenommen hatten, verließen auf Druck ihrer Kollegen ihre Posten wieder.

Der Alarmzustand war in Spanien seit der Wiedereinführung der Demokratie vor 35 Jahren noch nie ausgerufen worden. Er gibt der Regierung besondere Vollmachten und steht von den Auswirkungen her eine Stufe unterhalb des Ausnahmezustands.

Auswirkungen auf Flughäfen in ganz Europa

Flughäfen in ganz Europa sind von dem Streik in Spanien betroffen. Allein in Deutschland warteten tausende Reisende auf ihre Flüge. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main mussten seit Beginn des nicht angemeldeten Ausstandes am Freitagabend 14 Starts annulliert werden, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Außerdem gebe es etliche Verspätungen. Planmäßig sollten dort am Samstag rund 30 Passagiermaschinen in Richtung Spanien abheben.

Am Flughafen Hannover sollten in der Nacht zu Samstag drei Flüge auf die kanarischen Inseln Teneriffa, Fuerteventura und nach Gran Canaria starten, blieben aber am Boden. Einen neuen Abflugtermin gab es bis Samstagmittag nicht. Auch drei Flüge von den Kanaren nach Hannover, die für Mittag eingeplant waren, trafen nicht planmäßig ein. Ein Flug nach Paris und einer nach Amsterdam wurden ebenso gestrichen, wie zwei ankommende Flüge aus diesen beiden Städten.

Allein vom Reisekonzern TUI sitzen mehr als 2000 Gäste in Spanien fest. Die Kunden warteten in Hotels, teilte TUI am Samstag mit. Auch alle Gäste, die auf den Umsteigeflughäfen Las Palmas de Gran Canaria und Palma de Mallorca ihren Weiterflug verpasst hätten, seien in Hotels untergebracht. TUI rechnet auch nach Ende des Streiks bei Flügen von und nach Spanien mit erheblichen Verzögerungen, da zahlreiche Gäste auf ihre Rückflüge warteten.

Mehrere tausend Fluggäste mussten auf dem Münchner Flughafen Wartezeiten und Ausfälle in Kauf nehmen. Etwa 30 Maschinen konnten wegen des Streiks nicht starten oder kamen nicht an. Ein Sprecher des Münchner Flughafens schätzte, dass rund 5000 Fluggäste betroffen waren. In Düsseldorf fielen mehrere Flüge mit Zielen auf dem spanischen Festland aus. Flüge zu den kanarischen Inseln oder nach Mallorca wurden zunächst verschoben. „Wir können den Passagieren nur empfehlen, sich an die Fluggesellschaften zu wenden“, sagte die Sprecherin des Düsseldorfer Flughafens, Sonja Schröder.

Am Flughafen Köln-Bonn waren Flüge in Richtung Spanien ebenfalls mehrere Stunden verspätet. Auf den beiden Berliner Flughäfen wurden acht Flüge gestrichen. Auf den Airports Leipzig-Halle und Dresden fielen ebenfalls Flüge aus. In Stuttgart kam es zu erheblichen Verspätungen von bis zu zwölf Stunden.

Auch in Belgien fielen zahlreiche Flüge aus. Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair strich alle Flüge zwischen Charleroi und Spanien. Auf dem internationalen Flughafen Brüssel-Zaventum gab es bei Verbindungen in Richtung Spanien und Portugal stundenlange Verzögerungen, einige Flüge fielen ganz aus.

Behinderungen meldete auch der Flughafen Amsterdam-Schiphol in den Niederlanden. Der Luftverkehr in London-Heathrow war ebenfalls stark beeinträchtigt. Nach Informationen des „Daily Telegraph“ strich Ryanair am Freitag und Samstag 74 Flüge. Die Luftverbindung zwischen Spanien und Großbritannien ist mit jährlich 35 Millionen Passagieren eine der am häufigsten genutzten in Europa.

dpa/jhe