Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt „Flut von Kopenhagen“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Flut von Kopenhagen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:57 13.12.2009
Demonstranten protestieren in Kopenhagen anlässlich der Weltklimakonferenz bei einer Demonstration für mehr Klimagerechtigkeit.
Demonstranten protestieren in Kopenhagen anlässlich der Weltklimakonferenz bei einer Demonstration für mehr Klimagerechtigkeit. Quelle: ddp
Anzeige

Dort schwappt sie zur Großkundgebung vor das dänische Parlament, wo bereits Zehntausende auf sie warten. Im Gepäck haben die blaubemäntelten Klimaschützer eine unmissverständliche Botschaft: „Climate Justice“ und „Act now“ gehen in rhythmischen Salven von Mund zu Mund.

Nach der ersten Woche der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen wollen die Umweltaktivisten noch einmal Druck auf die internationale Politik machen. Sie fordern ein ehrgeiziges Klimaschutzabkommen und finanzielle Unterstützung für die Entwicklungsländer. Zu der Großkundgebung hatten über 500 Verbände und Organisationen aus aller Welt aufgerufen, darunter Umweltschutz- und Entwicklungshilfeorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen.

Am Rande der Demonstration, an der nach Angaben der Veranstalter 100.000 Menschen teilnehmen, kommt es zu Ausschreitungen. Die Polizei nimmt fast 1000 Randalierer fest, von denen alle bis auf 13 in der Nacht auf Sonntag aber wieder freigelassen werden. Sprecher der Demonstranten kritisieren, dass viele Protestierer grundlos mehrere Stunden auf der Straße in der Kälte festgehalten werden. Die Polizei räumt Pannen ein.

Der Großteil der Demonstration verläuft jedoch friedlich. Die Umweltaktivisten wettern gegen Klimaverschmutzung und die umstrittenen Ausgleichszahlungen, die Verbraucher leisten können im Ausgleich für CO2-intensive Flugreisen, Autofahrten oder ihren Stromverbrauch. Für die Aktivisten ist das nichts anderes als „moderner Ablasshandel“. Organisationen wie Friends of the Earth International sind der Überzeugung, dass CO2-Emissionen durch derartige Ausgleichszahlungen dauerhaft nicht gesenkt werden können.

Ein sichtbares Zeichen für den Klimawandel fordert auch Johannes Saalfeld, Mitglied im Landesvorstand der Grünen von Mecklenburg-Vorpommern. Er sei mit guter Stimmung nach Kopenhagen gereist. Auf der Fahrt von Rostock habe ihn und seine Mitstreiter die Nachricht von der Aufgabe der Baupläne für ein neues Kohlekraftwerk des Energiekonzerns Dong in Lubmin erreicht. Ein Projekt, das die Grünen vehement ablehnen.

Für den Kopenhagener Gipfel erhofft sich Saalfeld eine tiefergehende Sensibilisierung. Klimaschutz ist längst kein Randthema des Völkerrechts mehr, sagt der 27-Jährige. Seine Hoffnung auf ein sauberes Klima richtet er sowohl an die Staats- und Regierungschefs als auch an die Bevölkerung, die heute richtig daran tue, ihr Recht auf Klimaschutz auf der Straße zu demonstrieren.

Die indische Umweltschützerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Shiva Vandana, nennt die Konferenz den „Tod der Demokratie“. Sie könne nicht verstehen, wie ein Verhandlungstext, wie ihn Dänemark in der letzten Woche vorlegt hat, aus dem Nichts heraus entstehen könne. Damit würde die Arbeit der letzten 20 Jahre einfach zunichtegemacht, sagt Vandana.

Sie betont, das Problem des Klimawandels könnte bereits zu 40 Prozent durch ökologischen Landbau gelöst werden, der in den vertrauensvollen Händen von Klein- und Kleinstbauen liegen müsse. Anderenfalls werde man weiterhin in Abhängigkeit der großen Industriestaaten nicht einmal die Selbstversorgung decken können. Die dänische Abgeordnete Helle Thorning-Schmidt fügt hinzu, dass es keinen Plan B geben werde, weil es auch „keinen Planeten B“ gebe.

ddp