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Deutschland / Welt Frauenministerin schiebt Fachfrau ab
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Frauenministerin schiebt Fachfrau ab
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11:35 17.07.2012
Von Gabi Stief
Nach dem Rausschmiss der Gleichstellungsexpertin Eva-Maria Welskop-Deffaa steht Frauenministerin Kristina Schröder in der Kritik. Quelle: dpa
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Berlin

Sie wurde Anfang Juli im Alter von 53 Jahren und ein Jahr vor der nächsten Wahl von der Ministerin in den einstweiligen Ruhestand geschickt. In einem Brief an die Kanzlerin beschweren sich 1600 kommunale Gleichstellungsbeauftragte über ein „bestürzendes Signal“. Die SPD fordert in einer kleinen Anfrage eine Erklärung.

Bislang schweigt das Ministerium über die Gründe. Auch Eva-Maria Welskop-Deffaa lehnt eine Stellungnahme ab. Die Volkswirtschaftlerin und Mutter von drei Kindern wurde noch von Schröders Vorgängerin Ursula von der Leyen 2006 ins Ministerium geholt. Die frühere Referatsleiterin beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken und CDU-Frau gilt als Befürworterin einer gesetzlichen Frauenquote – im Gegensatz zu Schröder. Sie richtete in ihrer Abteilung erstmals ein Referat für Jungen und Männer ein, das ihr reichlich Lob einbrachte. Sie gab mit von der Leyen den ersten Bundesgleichstellungsbericht in Auftrag, den Ministerin Schröder im vergangenen Jahr noch nicht einmal persönlich von der zuständigen Professoren-Runde entgegennehmen wollte.

„Wir sind besorgt um die Ausrichtung der Abteilung Gleichstellung und Chancengleichheit“, schreibt die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros in ihrem Brief an die Kanzlerin. Eva-Maria Welskop-Deffaa sei eine „äußerst kompetente, gut informierte und strategisch kluge Ansprechpartnerin“ gewesen. Zudem beklagt sich der Verband, das bisher alle führenden Funktionen mit Männern besetzt sind.

Zumindest auf die kleine Runde der Staatssekretäre trifft dies zu. Anfang Juli wurde einer der beiden Posten frei, weil Josef Hecken seinen Job aufgab, um den Vorsitz im Gemeinsamen Bundesausschuss im Gesundheitswesen zu übernehmen. Die Wahl des Nachfolgers fiel auf den Niedersachsen Lutz Stroppe, einst Büroleiter von Helmut Kohl und zuletzt Leiter der hausinternen Abteilung „Kinder und Jugend“. Ansonsten setzt die Ministerin aber auf Quotensteigerung. Auch gestern hieß es: Sowohl der frühere Posten von Stroppe, als auch der von Welskop-Deffaa werden mit Frauen besetzt. Die Namen wollte man noch nicht nennen.

Gabi Stief 17.07.2012
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