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Deutschland / Welt Der empfindsame Streiter
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00:15 16.08.2013
Von Klaus Wallbaum
 Lothar Bisky war von 1993 bis 2000 und 2003 bis 2007 Vorsitzender der PDS. Nach der Fusion mit der westdeutschen WASG führte er von 2007 bis 2010 die neugegründete Partei "Die Linke" zusammen mit Oskar Lafontaine. Quelle: dpa (Archiv)
Berlin

Eigentlich war er der perfekte zweite Mann – oder genauer: der perfekte Mann neben Gregor Gysi, dem herausragenden Redner. In der Zeit, als Gysi der unumstrittene Medienstar der PDS war und Lothar Bisky ihm als Parteivorsitzender zur Seite stand, hatten die beiden wohl ihre besten Jahre. Für die Öffentlichkeit Gysi, der kluge, witzige und eindrucksvolle Rhetoriker, für die Geschlossenheit der Partei Bisky, der Zuchtmeister, der den aus vielen widerstrebenden Grüppchen bestehenden Laden zusammenhielt – dank seiner starken Autorität, die sogar die von Gysi überstrahlte.

Nun ist diese Zeit endgültig vorbei. Gysi ist immer noch der Star der Linken, nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine ist er heute, wenn auch gealtert, vielleicht wieder so unumstritten wie in den neunziger Jahren. Aber Bisky, der sich schon vor einigen Jahren zurückzog, lebt jetzt nicht mehr. Am Dienstag ist er, wenige Tage vor seinem 72. Geburtstag, gestorben.

Das Gegenteil eines kühlen Technokraten

Die Nachricht hat Betroffenheit ausgelöst, weit über die Grenzen der Linkspartei hinaus. Das hängt weniger mit der politischen Rolle Biskys zusammen, denn er war kein Aufklärer, kein Reformer oder Erneuerer. Mit dem DDR-System war er ziemlich eng verstrickt gewesen, hatte sogar als Dozent Berichte über andere geschrieben. Ein „Spitzel“ aber, beteuerte er, sei er nie gewesen. Was Bisky im politischen System der Bundesrepublik beliebt machte, war seine direkte Art. Er war zwar kein guter Redner, aber seine Sprache war geradeaus und ohne Umschweife, ohne die für Funktionäre üblichen Floskeln. Freunde und Gegner haben ihn geschätzt, weil er mit offenem Visier agierte. Wenn Bisky sich aufregte, klang das echt, nie gespielt. Viele der Jüngeren in der Partei beschrieben seine väterliche Art. Er konnte gut zuhören und Verständnis zeigen, ein Vertrauter sein. Man merkte ihm Gefühlsregungen an – Bisky war das Gegenteil eines kühlen Technokraten.

Dabei stand er der Diktatur wohl näher, als er selbst im Nachhinein einräumen wollte. Sein Lebensweg verlief so, dass er später gegenüber der DDR viel Dankbarkeit verspüren musste. In Pommern kam er 1941 zur Welt, die Familie wurde vertrieben, lebte in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein – in einfachen Verhältnissen. Als Bisky 18 war, ging er freiwillig und allein in die DDR – weil er, wie er später sagte, im Westen das Abitur nicht hätte machen können. In der DDR aber ging es für ihn steil bergauf. Nach dem Abitur studierte er Philosophie in Ost-Berlin und Kulturwissenschaften in Leipzig, er promovierte und habilitierte. Er wurde Mitglied der SED, arbeitete als Dozent und wurde 1986 Rektor der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg. Mit seinen Studenten soll er einen ganz offenen, freien Umgang gepflegt haben. Die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in der DDR, der Zwang zu Anpassung und Unterordnung – im Hochschulleben spielte das für ihn keine Rolle. Auch deshalb galt er 1989 sofort als jemand, der in der neuen Zeit eine wichtige Rolle spielen konnte. Dabei war er doch in Wirklichkeit einer, der mit der DDR gut und gern noch viele Jahre weiter hätte unbeschwert leben können.

Gregor Gysi zum Tod Biskys

Die Linke verliert einen streitbaren Genossen  und einen Ratgeber. Die Bundesrepublik verliert einen Mitgestalter der Gegenwart. Die soziale Gerechtigkeit verliert einen starken Streiter.“

Bisky war ein widersprüchlicher Mensch: Zum einen jemand, der für den SED-Staat stand, zum anderen jemand, der in seinem ganzen Habitus und Auftreten kein Mächtiger war, eher ein Oppositioneller. Für die PDS war er damit besonders wichtig. Die Partei brauchte in ihrer Anfangszeit einen glaubwürdigen Vorsitzenden, der nicht im Geruch stehen sollte, einer von den alten Genossen zu sein. Auf der anderen Seite durfte er aber nie mit den alten Genossen brechen. Bisky war ideal für diese Rolle. Sein Werdegang in der DDR ließ es für ihn nicht zu, jemals den Stab über die Alten in der SED, denen er so viel zu verdanken hatte, zu brechen. Aber mit Sympathie begleitete er gleichzeitig jene, die für die Erneuerung der PDS stritten. Manche von ihnen mögen ihn an seine Studenten in der Filmhochschule erinnert haben.

Wie stark Bisky in der PDS wirklich war, zeigte sich erst nach einem ersten Rückzug im Jahr 2000. Genervt von der Aufgabe, die internen Streithähne zu besänftigen, hatte er das Handtuch geworfen. Was folgte, war eine schwache Führung mit noch mehr internen Konflikten, die PDS drohte im Chaos zu versinken. Die Partei holte ihn zurück, Bisky sprach ein Machtwort und erreichte, dass sich die Kontrahenten mäßigten. Bis 2007 blieb er an der PDS-Spitze und war danach bis 2010 neben Oskar Lafontaine erster Vorsitzender der Linkspartei. Doch in der zweiten Amtszeit wirkte er erschöpfter als vorher, mit den stärker werdenden westdeutschen Gruppen fremdelte er. 2009 wechselte er ins Europaparlament, wurde dort auch Fraktionschef der Linken, verlor aber zunehmend an Einfluss.

Auch persönliche Schicksalsschläge haben ihn, den sensiblen und empfindsamen Menschen, schwer getroffen. Den Tod seines jüngsten Sohnes Stephan am Heiligen Abend 2008 hat er wohl nie richtig verkraften können. Im vergangenen Jahr, als der Linkspartei die Spaltung zwischen Dogmatikern und Reformern drohte, nahm Bisky Partei für Dietmar Bartsch als neuen Vorsitzenden. Das wirkte damals nicht, sein Favorit unterlag bei den Wahlen. Damals muss er wohl gespürt haben, dass sein Wort nicht mehr viel gilt in der Partei, in der er einst so stark war. Es muss ihn auch verletzt haben.

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