Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Razzien nach G20-Krawallen – 35-Jähriger verhaftet
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Razzien nach G20-Krawallen – 35-Jähriger verhaftet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:19 18.09.2018
Ausdrucke von Fahndungsfotos nach den schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel im Juli 2017. Quelle: Christian Charisius/dpa
Anzeige
Hamburg

Rund 14 Monate nach den schweren Krawallen rund um den G20-Gipfel in Hamburg hat die Polizei in drei Bundesländern die Räumlichkeiten mutmaßlicher Gewalttäter durchsucht. Einsätze gab es in Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag in der Hansestadt mitteilten. In Hamburg-Winterhude sei ein 35-Jähriger verhaftet worden. Was ihm im Haftbefehl konkret vorgeworfen wird, war zunächst nicht bekannt.

Im Fokus des Einsatzes unter Federführung der Soko „Schwarzer Block“ stünden Tatverdächtige, die bei der „Welcome to Hell“-Demonstration in Hamburg Straftaten begangen haben sollen, hieß es. Dabei handelt es sich demnach unter anderen um schweren Landfriedensbruch, Widerstand gegen Polizeibeamte und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte. Nach WDR-Informationen gab es auch in Dortmund einen Einsatz.

Anzeige

Europaweite Öffentlichkeitsfahndung nach G20-Randalierern

Während des Treffens der Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten im Juli 2017 war Hamburg von schweren Ausschreitungen erschüttert worden. Gipfelgegner griffen Polizisten an, setzten Autos in Brand und plünderten Geschäfte. Teilnehmer der Proteste warfen ihrerseits der Polizei in zahlreichen Fällen Fehlverhalten vor.

Die Polizei hatte am Dienstag außerdem im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel erstmals eine europaweite Öffentlichkeitsfahndung gestartet. Die vier Gesuchten - drei Männer und eine Frau - sollen an der Serie von Brandstiftungen an der Elbchaussee beteiligt gewesen sein, bei der damals ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro entstand. Fotos der vier Gesuchten wurden am Dienstag auf der Internetseite www.polizei.hamburg/g20-fahndungen veröffentlicht.

Die Soko geht davon aus, dass ein Großteil der Beteiligten am Tatkomplex Elbchaussee aus anderen europäischen Ländern kam. Die Fahndung konzentriere sich auf Frankreich, Italien, Spanien und die Schweiz. Aber auch Österreich, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweden, Finnland und Griechenland stünden im Fokus, sagte Soko-Chef Jan Hieber. In den ersten vier Ländern hatte die Polizei bereits Ende Mai auf Betreiben der Soko „Schwarzer Block“ Wohnungen durchsucht. Europaweit fahndet die Soko polizei-intern derzeit nach 109 Personen.

Den vier nun Gesuchten könnten die Ermittler erhebliche Straftaten wie Brandstiftung und schwerer Landfriedensbruch nachweisen, sagte Hieber. Der Öffentlichkeitsfahndung sei wie rechtlich vorgeschrieben die polizei-interne Suche vorausgegangen.

Bereits im Mai Polizeiaktion in vier Ländern

Richter hätten die Veröffentlichung der Fotos auf Antrag der Staatsanwaltschaft gebilligt, auch europaweit. Hieber betonte, dass es sich bei den Geschehnissen auf der Elbchaussee um keine Demonstration nach dem Versammlungsrecht handelte. „Das ist eine Kommandoaktion gewesen, um Angst und Schrecken zu verbreiten“, betonte der Soko-Chef. Jeder einzelne Teilnehmer müsse sich die Taten zurechnen lassen.

Am 29. Mai dieses Jahres hatte es bereits eine konzertierte Polizeiaktion in vier europäischen Ländern gegeben. Bei den Durchsuchungen in Madrid sowie in Rom, Genua, Trient (Italien), Bremgarten nahe Zürich (Schweiz) und in Ost-Frankreich seien umfangreiche Beweismittel sichergestellt worden, hieß es. Drei Wochen später hatte die Polizei im nordostfranzösischen Commercy einen 35 Jahre alten Mann und eine 25-jährige Frau festgenommen. Nach der vorübergehenden Festnahme eines 27 Jahre alten Tatverdächtigen im Schweizer Kanton Aargau konnte ein weiterer Gesuchter im Alter von 30 Jahren in der Schweiz identifiziert werden.

Von RND/dpa