Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Gaddafi soll angeblich auf der Flucht sein
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Gaddafi soll angeblich auf der Flucht sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:52 21.08.2011
Muammar al-Gaddafi soll angeblich auf der Flucht sein. Quelle: dpa
Anzeige
Tripolis/Istanbul

Mögliche Wende im Bürgerkrieg in Libyen: Nach nächtlichen Kämpfen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen in Tripolis soll der bedrängte Machthaber Muammar al-Gaddafi die Hauptstadt in Richtung algerische Grenze verlassen haben. Aus gut informierten Kreisen in Tripolis verlautete am Sonntag, er halte sich mit seiner Familie in einer Region unweit der Grenze auf. Im Stadtzentrum, das noch von Gaddafis Anhängern kontrolliert wird, herrschte am Sonntagvormittag wieder Ruhe.

Eine Bestätigung für die Nachricht von der Flucht Gaddafis aus Tripolis gab es zunächst aber nicht - weder von den Rebellen noch von algerischer Seite. Ein Beamter des Außenministeriums in Algier sagte auf Anfrage, Gaddafi halte sich derzeit nicht in Algerien auf.

Anzeige

Das libysche Fernsehen hatte in der Nacht eine vorab aufgezeichnete Rede von Gaddafis Sohn Seif al-Islam vor einer Gruppe von Anhängern ausgestrahlt. Darin sagte dieser, es sei ausgeschlossen, dass er und sein Vater das Land verlassen würden.

In der Nacht hatte es in Tripolis Kämpfe zwischen Gaddafis Truppen und Aufständischen gegeben. Nach Angaben von Augenzeugen werden die Viertel Tadschura und Suk al-Dschumaa inzwischen von den Rebellen beherrscht. Die Kämpfer hätten auch die Kontrolle über den Internationalen Flughafen von Tripolis übernommen, berichtete ein Rebellensender. Anwohner hörten bis zum Morgengrauen Schüsse und Luftangriffe der Nato.

In einer während der Gefechte im staatlichen Fernsehen übertragenen Audiobotschaft nannte Gaddafi die Rebellen „Verräter“ und „Ratten“ und beschuldigte sie, Libyen zerstören zu wollen. Seine Anhänger rief er auf, in Massen die Rebellion zu beenden. Die europäischen Länder und namentlich Frankreich bezichtigte er, hinter dem libyschen Öl her zu sein.

Die Nato hat am Samstag 36 Kampfeinsätze über Libyen geflogen

Der arabische Fernsehsender Al Arabija berichtete, die Aufständischen hätten Dutzende Soldaten Gaddafis gefangen genommen. Doch auch die Aufständischen erlitten hohe Verluste. Allein bei den Gefechten im Stadtviertel Tadschura kamen nach Angaben eines Rebellenführers laut Al-Dschasira mindestens 123 Aufständische ums Leben.

Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, sagte Al-Dschasira, dass alle Aktionen vorbereitet und koordiniert seien. Die Nato hatte ihre Kampfeinsätze am Samstag stark auf Libyens Hauptstadt konzentriert. Die Kampfjets der internationalen Truppen hätten allein in Tripolis 22 Ziele angegriffen, berichtete die Nato am Sonntag in Brüssel.

Attackiert wurden demnach Militäreinrichtungen, Lagerhallen, gepanzerte Fahrzeuge, Raketen und Raketenwerfer sowie Radarsysteme. Insgesamt habe die Nato am Samstag 36 Kampfeinsätze über Libyen geflogen. Neben Tripolis griff das Bündnis auch Ziele in Sirte, Al-Brega und Slitan an.

Aus der Industriezone der monatelang umkämpften und zuletzt von den Rebellen eingenommenen Öl- und Hafenstadt Al-Brega mussten sich die Aufständischen nach eigenen Angaben wegen starken Beschusses durch die Gaddafi-Truppen am Samstag wieder zurückziehen.

Der Übergangsrat der Rebellen hatte in den vergangenen Monaten mehrfach erklärt, für die Eroberung von Tripolis setzte man auf den „Kollaps des Regimes“ und die Unterstützung durch „geheime Zellen“ von Sympathisanten in Tripolis. In den vergangenen Tagen hatten die Rebellen auf ihrem Vormarsch nach Tripolis große Geländegewinne erzielt.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Mehr zum Thema

Teile der libyschen Hauptstadt sollen bereits unter Kontrolle der Rebellen sein. Doch der Blutzoll ist offensichtlich hoch. Gaddafi verteufelt die Aufständischen als „Verräter“ und „Ratten“. Sein Sohn erklärt: Wir geben nicht auf.

21.08.2011

In Libyen berichten die Rebellen von neuen Erfolgen. Demnach kontrollieren sie nunmehr vollständig die Öl- und Küstenstadt Al-Brega. In Tripolis mehren sich die Anzeichen dafür, dass es für Gaddafi eng wird. Sogar seinen Banken geht das Geld aus.

20.08.2011
Deutschland / Welt Verfassungsbruch oder Bündnis-Normalität? - Deutsche Soldaten suchen Bombenziele in Libyen

Die Entsendung von Bundeswehrsoldaten in die Nato-Leitzentralen für den Libyen-Einsatz ist rechtlich umstritten und politisch brisant. Für Klarheit muss möglicherweise das Bundesverfassungsgericht sorgen.

19.08.2011