Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Gaddafi will bis „Märtyrertod oder Sieg“ kämpfen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Gaddafi will bis „Märtyrertod oder Sieg“ kämpfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:38 24.08.2011
Muammar al-Gaddafi will weiter kämpfen. Quelle: dpa
Anzeige
Tripolis

Der libysche Despot Muammar al-Gaddafi gibt sich trotz aller militärischen Rückschläge unbeugsam. Nach der Erstürmung seines Hauptquartiers durch Rebellen rief der 69-Jährige die Bevölkerung am Mittwochmorgen in einer Audiobotschaft zum Widerstand auf. Zuvor hatte Gaddafi in einer ersten Audionachricht angekündigt, er werde bis zum „Märtyrertod oder Sieg“ kämpfen.

In seiner Residenz fielen laut BBC am Mittwoch immer noch vereinzelt Schüsse. Auch in der Nähe des internationalen Flughafens in Tripolis und im südwestlichen Vorort Al-Hadaba al-Chadra lieferten sich Aufständische und Anhänger Gaddafis weiter Gefechte. Laut Al-Dschasira griffen Regierungstruppen in der Nacht zudem die Rebellen-Hochburg Misrata mit Scud-Raketen an, die aus Sirte, der Heimatstadt Gaddafis, abgefeuert wurden.

Anzeige

Trotz der Erfolge der Rebellen hat Gaddafi nach Ansicht von Kremlchef Dmitri Medwedew weiter Einfluss und militärische Macht. „Tatsächlich gibt es in dem Land eine Doppelherrschaft“, sagte Medwedew nach einem Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il in der sibirischen Stadt Ulan Ude. Das militärische Potenzial von Gaddafis Anhängern sei nicht erschöpft.

Ein Rebellensprecher sagte hingegen, die Frage sei nicht mehr, wo sich Gaddafi aufhalte, sondern nur noch, wann er festgenommen werde. Die Aufständischen hatten am Dienstag die Residenz des langjährigen Diktators in Bab al-Asisija in Tripolis eingenommen, von Gaddafi fehlte aber jede Spur. Auch am Mittwoch blieb unklar, ob er sich in der Hauptstadt Tripolis versteckt hat oder in den Süden des Landes geflüchtet ist.

Eine lokale Radiostation habe einen Aufruf von einem Mann verbreitet, bei dem es sich um Gaddafi handle, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Darin habe er die Libyer aufgefordert, die Hauptstadt Tripolis von den Aufständischen „zu säubern“. Gaddafi habe den Aufständischen Folter vorgeworfen. Sie würden Gegner „exekutieren“.

Gaddafi bezeichnet seinen Rückzug aus Tripolis als „taktisches Manöver“

Die britische BBC meldete unter Berufung auf den Gaddafi-treuen Sender al-Urubah, dass Gaddafi seinen Rückzug aus dem Militärkomplex Bab al-Asisija im Süden von Tripolis als „taktisches Manöver“ bezeichnet habe. Die Anlage sei bereits durch 64 Nato-Luftangriffe in den vergangenen Monaten zerstört worden, habe er gesagt. Nach eigenen Angaben spazierte Gaddafi sogar unerkannt durch Tripolis, ohne eine Gefahr zu erkennen, wie der arabische Fernsehsender Al-Arabija berichtete.

Die Übergangsregierung der Rebellen rief die Libyer zur Einheit auf. „Wir müssen uns jetzt auf den Wiederaufbau konzentrieren und darauf, die Wunden zu heilen“, sagte der Vorsitzende Mahmud Dschibril in einer am Dienstagabend vom arabischen Sender Al-Dschasira übertragenen Pressekonferenz. Er versicherte, dass die Sicherheit in Tripolis und im ganzen Land wiederhergestellt werde. „Die Übergangsperiode hat jetzt begonnen.“

Wie der Sprecher des Übergangsrats, Mahmud Shammam, dem US-Sender CNN sagte, wollte ein Teil der Minister der Übergangsregierung bereits am Mittwoch von der Aufständischenhochburg Bengasi in die Hauptstadt umziehen. Dazu zählten die Minister für Öl und Kommunikation sowie für das Innen-, das Verteidigungs- und das Gesundheitsressort. „Sie werden sich sofort an die Arbeit machen.“

Unterdessen kündigte die sandinistische Regierung Nicaraguas an, Gaddafi Asyl zu gewähren, falls dieser dies wünsche. „Wenn jemand uns um Asyl bitten würde, hätten wir dem positiv Rechnung zu tragen“, sagte Bayardo Arce, einer der engsten Mitarbeiter des sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega, am Dienstag in Managua. Dieser hatte seinem langjährigen Alliierten in der aktuellen Krise mehrfach Hilfe und Solidarität zugesagt.

dpa

Mehr zum Thema

Nato und Rebellen sprechen von Gaddafis Ende. Doch niemand weiß, wo er ist. Der Diktator wird im Bunkerkomplex in Tripolis vermutet, in den die Rebellen nach blutigen Kämpfen vordringen. Der große Sieg?

23.08.2011

Nato und Rebellen sprechen von Gaddafis Ende. Doch dessen Soldaten leisten erbitterten Widerstand. Besonders hart umkämpft ist der Bunkerkomplex des Diktators. Und sein Sohn Saif al-Islam überrascht mit einen demonstrativ selbstbewussten Auftritt mitten in der Nacht.

23.08.2011

Nach und nach tauchen die Söhne von Muammar al-Gaddafi wieder auf: Erst hat sich Saif al-Islam am Dienstag überraschend zurückgemeldet – nun auch sein Bruder Mohammed al-Gaddafi. Er gab an, von regierunsgtreuen Truppen befreit worden zu sein.

23.08.2011