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Deutschland / Welt Gauck ist Gegenkandidat
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22:18 03.06.2010
Alternative zu Christian Wulff: Joachim Gauck, Pastor und einst DDR-Bürgerrechtler. Quelle: dpa
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Große Chancen hat der frühere Pastor nicht, denn die CDU/FDP-Mehrheit in der Bundesversammlung ist satt. Aber Gauck gilt als konsequenter Gegner der Linkspartei, er hat deshalb im konservativen Lager viele Sympathien. Die Hoffnung bei den Sozialdemokraten könnte bestehen, dass der Kandidat einige Stimmen aus dem Lager der Regierungskoalition zu sich zieht.

Gauck war Ende der achtziger Jahre als Bürgerrechtler in Rostock aktiv, zur Zeit der friedlichen Revolution wirkte er im Neuen Forum mit, später wurde er der erste Leiter der Behörde für die Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Vor zehn Jahren schied er dort aus und betätigte sich anschließend als Buchautor und Vortragsreisender. Sein Thema: die Befindlichkeit der Ost- und Westdeutschen und die Wege, wie beide zueinanderfinden können.

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Am Montag, als Bundespräsident Horst Köhler zurücktrat, trat Gauck ausgerechnet im niedersächsischen Landtag auf, der langjährigen Wirkungsstätte seines Gegenkandidaten Christian Wulff. Angesprochen darauf, dass er ja immer mal wieder für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt werde und nun womöglich kandidieren könne, reagierte der 70-Jährige abweisend: Er werde das nicht kommentieren und eigene Ambitionen auch nicht ausschließen, betonte Gauck. Als „Realist“ wisse er ja, wie das sonst interpretiert werde. Ob er damals schon wusste oder ahnte, dass man ihn um eine Bewerbung bitten würde? Gauck ist es ein Anliegen, das Zusammenwachsen beider Teile Deutschlands zu fördern – deshalb hätte er wohl auch schon früher seine Bereitschaft erklärt, wenn man ihn denn gefragt hätte.

SPD-Vize Olaf Scholz lobte Gauck am Donnerstagabend gegenüber dieser Zeitung als einen guten Kandidaten, der sich durch die Aufarbeitung von DDR-Unrecht große Verdienste für das Land erworben habe. Er sei nicht nur Zählkandidat. „Die Mehrheitsverhältnisse sind klar. Aber eine Bundesversammlung hat eine eigene Dynamik“, sagte Scholz.

Allerdings kann der rot-grüne Kandidat nicht auf die Unterstützung der Linkspartei hoffen. Deren Vorsitzende Gesine Lötzsch kündigte am Abend an, ihre Partei werde einen eigenen Bewerber aufstellen, denn weder Wulff noch Gauck seien für sie akzeptabel. Dies liegt nah, da sich Gauck gerade in jüngster Zeit wiederholt sehr kritisch über die Linkspartei geäußert hatte, auch am Montag als Gastredner im Landtag in Hannover.

Gauck lebt von seiner Frau getrennt und hat vier Kinder, drei davon waren Ende der achtziger Jahre – vor dem Fall der Mauer – in den Westen ausgereist. Er wohnt in Berlin und leitet den Verein „Gegen das Vergessen“.

Reinhard Urschel
 und Gabi Stief

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