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Deutschland / Welt Gefährliche Keime an der Geflügeltheke
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07:17 10.01.2012
Hähnchenfleisch ist offenbar zu großen Teilen mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Quelle: dpa
Berlin

Es ist nicht die erste Warnung: Bereits im November schreckten die Landwirtschaftsminister in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit Studien über den Missbrauch von Antibiotika in Geflügelmastbetrieben auf.

Die Stichprobe des BUND gilt nicht als repräsentativ, ist aber dennoch besorgniserregend. Auf zehn von 20 Fleischproben, die in Supermärkten in Berlin, Hamburg, Nürnberg und in der Region Stuttgart gekauft wurden, fanden die Tester sogenannte ESBL produzierende Darmkeime, die Infektionen auslösen können. Zwei Hühnchenproben waren zudem mit MRSA-Bakterien belastet, die über kleine Wunden in die Haut eindringen können. Beide Keime sind besonders gefährlich, weil Antibiotika ihnen nichts anhaben können. Kliniken versuchen seit Jahren, die Ausbreitung dieser lebensbedrohlichen Keime in den Griff zu bekommen. Das EU-Parlament beziffert die Zahl der Toten durch Infektionen mit multiresistenten Keimen europaweit auf 25 000 pro Jahr.

Die Bundesregierung will den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung durch eine Verschärfung des Arzneimittelgesetzes deutlich reduzieren. Das Verbraucherschutzministerium  kündigte am Montag die Vorlage eines Gesetzentwurfs noch in dieser Woche an. Danach sollen die Überwachungsbehörden der Länder einen erweiterten Zugriff auf die erfassten Abgabemengen von Antibiotika zu Kontrollzwecken erhalten. Tierärzte sollten verpflichtet werden, auf Anfrage alle Daten zur Abgabe und Anwendung von Antibiotika zusammengefasst zu übermitteln.

Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU) unterstützt diese Strategie, wie ein Sprecher am Montag betonte. Die Grünen werfen Lindemann hingegen vor, es bei Ankündigungen zu belassen. „Lindemann macht den Schutzpatron der in Niedersachsen starken Geflügelindustrie zulasten der Bevölkerung“, kritisierte Grünen-Agrarexperte Christian Meyer. Der niedersächsische Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Martin Schulz, forderte eine rasche Abkehr von der Geflügel- und Schweinefleischerzeugung in Agrarfabriken.

Der Zentralverband der Geflügelwirtschaft warnte vor Panikmache. Es handele sich bei der BUND-Studie um eine Mini-Stichprobe, die kein verlässliches Bild ergebe. Das bloße Vorkommen von Keimen auf Geflügelfleisch sage nichts über die gesundheitliche Gefährdung für den Verbraucher aus.

Gabi Stief und Margit Kautenburger

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