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Deutschland / Welt Gehört der Islam zu Deutschland? So diskutieren die HAZ-Leser
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Gehört der Islam zu Deutschland? So diskutieren die HAZ-Leser
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08:43 20.03.2018
 Der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer hält den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ für falsch. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt. Dazu gehören der freie Sonntag, kirchliche Feiertage und Rituale wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten“, sagte der CSU-Chef.
 Der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer hält den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ für falsch. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt. Dazu gehören der freie Sonntag, kirchliche Feiertage und Rituale wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten“, sagte der CSU-Chef.
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Bei den folgenden Texten handelt es sich um Leserbriefe, diese sind keine redaktionelle Meinungsäußerung.

Falsche Debatte

Der neue Bundesinnenminister Horst Seehoferlenkt die politische Debatte auf etwas völlig Falsches und Zweitrangiges, wenn er Feierabend- und Stammtischthemen wie Religion und Weltanschauung in den Vordergrund rückt. Wichtig wäre vielmehr, die Infrastruktur Deutschlands voranzubringen sowie Bildung und Berufsbildung, die eigentliche Ressource unseres Landes, und damit die intellektuelle Potenz und Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte zu fördern.

Dr. Hans Christian Hummel, Hannover, Leserbrief

Religion gehört nicht zum Land

Die naiven Aussagen von den Rechtsaußen der Union als auch erwartungsgemäß von den Rechtsnationalen zeugen vom mangelnden Verständnis zu den Grundwerten der Republik. Auch eine Aussage, dass das Christentum zum Land gehört, ist Gemeinplatz wie, dass die Weser in die Nordsee fließt. Aus den Erfahrungen der Geschichte schließt das Grundgesetz wohlüberlegt, dass Religionsglauben die Gesetzgebung nicht beeinflussen kann. MittelalterlicherIrrglauben wie das Hexenwesen, Alt-Männer-Dominanz oder „Die Religion ist mein Schwert“ sind menschenfeindlich. Gleichheit vor dem Gesetz sind religiöse Anschauungen nach dem Grundgesetz insofern, dass niemand benachteiligt oder bevorzugt wird. Für alle Glaubensrichtungen ist die persönliche Religionsausübung gewährleistet, aber die öffentliche oder gar politische Vorteilsnahme ist gesellschaftlich und politisch nicht tolerierbar. Somit „gehört“ eine Religion nicht zum Land und zu seiner Verfassung.

Rudolf Przibylla, Hannover, Leserbrief

Konkretes statt Emotionen

Mich ärgert, wie mit einem sehr vieldeutigen Wort Politik – und das heißt heute ja Emotion – gemacht wird. Ich möchte von den Politikern nicht nur(Tot-)Schlagworte hören, sondern Konkretes. Hier zwei Stichwortlisten von Differenzen zurislamischen Welt: Erstens bestehen unterschiedliche kulturelle Entwicklungen bei derinnerreligiösen Glaubensauslegung, bei der Emanzipation der Philosophie, Wissenschaft und Kunst von der Religion, bezüglich unterschiedlicher Rechtstraditionen, bei der Entwicklung der politischen Systeme, bezüglich dertechnischen Revolution und der darauf fußenden Arbeiterschaft samt Gewerkschaftsbewegung, bei den sozialen Sicherungssystemen, bei der Frauenemanzipation und zuletzt bei der „sexuellen Befreiung“. Zweitens sehe ich bei den Alltagslebenswelten Unterschiede beim Familienverständnis, im Umgang mit Sexualität, beim Freiheitsverständnis, bei der Gemeinschaftsbindung, in der Berufsauffassung, in der Religionsausübung, bei den akzeptierten Rechtsnormen, in der Gestaltung des Privat- und Freizeitlebens, in der Geltung von Autoritäten, in den persönlichen Lebenszielen – diese mit großerindividueller Bandbreite. Was bedeutet das?

Prof. Dr. Dietmar Raufuß, Springe, Leserbrief

Show eines „Alphatieres“

Wann endlich wird begriffen, dass es dem politischen „Alphatier“ Horst Seehofer nahezu ausschließlich um sich selbst geht? Seine zeitlich gezielt geäußerte Bemerkung diente vor allem dazu, dem anderen „Alphatier“, dem neuen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, etwas die Show zu stehlen. Dieser alte, immer wieder zündelnde Mann hat den „Putsch“ in Bayern nicht verwunden. Nichts träfe ihn mehr als beredsames Schweigen überihn und seine sachfremden und unchristlichen Anwürfe.

Deodat von Eickstedt, Garbsen, Leserbrief

Durchsichtige Motivation

Dank und Anerkennung unserer Bundeskanzlerin fürihren beherzten Widerspruch zur gesellschaftlichen Ausgrenzung des Islams durch den jüngst gekürten Bundesinnenminister Horst Seehofer. Die von Seehofer aufgewärmte Position „DerIslam gehört nicht zu Deutschland“ ist so widersinnig und verfassungswidrig wie seine parteipolitische Motivation durchsichtig: Das Grundgesetz garantiert die Religionsfreiheit fürjede Religion, die in unserem Land gelebt wird. Das weiß auch Seehofer, in dessen Amtsbereich der Verfassungsschutz fällt. Ob eine verinnerlichte und hier gelebte Religion für Deutschland kulturell prägende Tradition hat oder nicht, ist völlig unerheblich. Und widersinnig ist es, den Islam angesichts von Millionen in Deutschland lebenden Muslimen als nicht zugehörig zu Deutschland auszugrenzen, gleichzeitig aber zu fordern, die Muslime müssten „mit uns leben und nicht neben oder gegen uns”. Wer positioniert sich widerständig? Doch wohl Seehofer gegen die bei uns lebenden Muslime. Gießt er angesichts der zugenommenen Fremdenfeindlichkeit nicht Öl ins Feuer und leistet damit handfester Brandstiftung gegen Andersgläubige und deren Einrichtungen Vorschub? Warum versteigt sich Seehofer wider besseren Wissens als populistischer bayerischer Trump zur Ausgrenzung von Menschen anderen Glaubens? Nun, in Bayern stehen bald Landtagswahlen an – und die CSU will Wähler der AfD zurückgewinnen. Dabei ist sich der Noch-Parteivorsitzende Seehofer nicht zu schade, als Rettungsschwimmerfür die CSU in den Gewässern der AfD seine Bahnen zu ziehen. Der Applaus aus der AfD folgte postwendend. Ich bin zuversichtlich, dass eine Mehrheit der bayerischen Wähler dieses tabulose Verhalten nicht mit der von der CSU erhofften absoluten Mehrheit honorieren wird. Die Ausgrenzung Andersgläubiger widerspricht zudem christlicher Ethik, der sich die CSU plakativ im Parteinamen verpflichtet sieht – verpflichtet sehen sollte.

Norbert Boloch, Seelze, Leserbrief

Religion ist Privatsache

Tja, auf niedrigem Niveau hat Horst Seehoferrecht. Religion gehört nicht zu einem säkularen Staat wie der Bundesrepublik. Nur warum erwähnt er dann nicht die größte religiöse Minderheit, die Christen? Selbst in Niedersachsen sollen ja noch drei von knapp acht Millionen Menschen Christen sein. Und die wollen dann, dass wir einen Frauenund Judenhasser wie Martin Luther staatlich feiern? Da wäre es doch an der Zeit, gerade den Christen zu sagen: Sorry, aber seit der Französischen Revolution 1789 solltet ihr euch auf eure Hausaltäre beschränken.

Volker Ritter, Hannover, Leserbrief

20.03.2018