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Deutschland / Welt Gordon Brown kämpft um seine Macht
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08:49 07.05.2010
Premier Gordon Brown am Freitagmorgen vor der Downing Street 10 in London. Quelle: ap
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Der britische Premierminister Gordon Brown will Regierungskreisen zufolge mit einer Koalition an der Macht bleiben, falls die Parlamentswahl keine klaren Mehrheitsverhältnisse ergibt. Der Chef der Labour-Partei wolle dies damit begründen, dass eine Koalition in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten besser sei als eine Minderheitsregierung unter den konservativen Tories, zitierte die Nachrichtenagentur PA Kreise in der Downing Street.

Brown, der seinen schottischen Wahlkreis Kirkcaldy and Cowdenbeath mit einem Zugewinn von 5000 Stimmen und deutlichem Vorsprung halten konnte, verwies in einer ersten Reaktion auf die Erfolge seiner Regierungsarbeit. Zur politischen Zukunft Großbritanniens sagte er: „Das Ergebnis der Wahl in diesem Land ist noch nicht bekannt, aber meine Pflicht gegenüber diesem Land wird es nach der Wahl sein, meinen Teil dazu beizutragen, dass Großbritannien eine starke, stabile und richtungsweisende Regierung hat, die in der Lage ist, es durch eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung zu führen.“

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Umwerben dürfte Brown in diesem Fall vor allem die Liberaldemokraten. Trotz Übereinstimmungen mit Labour in ihren politischen Positionen dürfte die Bereitschaft der Lib Dems aber gering sein, dem unpopulären Brown zu einer weiteren Amtszeit als Premier zu verhelfen. Ein weiteres Problem könnte darin bestehen, dass Labour und Liberaldemokraten auch gemeinsam nicht auf die absolute Mehrheit von 326 der 650 Unterhaussitze kommen.

Brown machte deutlich, dass er nicht an einen Rückzug denkt. Er sehe seine Aufgabe darin, „meinen Part in der Bildung einer starken, stabilen und prinzipientreuen Regierung für Großbritannien zu spielen“, sagte der Premier in seinem Wahlkreis Kirkcaldy. Dies werde zu einer nachhaltigen Erholung der britischen Wirtschaft führen.

Führende Kabinettsmitglieder zeigten sich offen für ein Bündnis mit den Liberaldemokraten. Auf diese Möglichkeit angesprochen sagte Wirtschaftsminister Peter Mandelson dem Sender Sky News: „Sie müssen nicht ganz so entsetzt klingen. Offensichtlich wären wir bereit, das zu prüfen.“ Auch Energieminister Ed Miliband und Innenminister Alan Johnson schlossen diese Möglichkeit nicht aus.

Cameron forderte Brown zum Rücktritt auf. Schon vor dem Abschluss der Stimmenauszählung sei deutlich geworden, „dass die Labour-Regierung ihr Mandat, unser Land zu regieren, verloren hat“, sagte der Tories-Chef in seinem Wahlkreis Witney.

Nach dem Urnengang gingen bei der Wahlkommission zahlreiche Beschwerden ein, wonach hunderte Wähler ihre Stimme nicht abgeben konnten, weil sie am Abend angesichts langer Schlangen vor den Wahllokalen abgewiesen worden seien. Außerdem gingen in mehreren Wahllokalen die Stimmzettel aus. Die Wahlkommission erklärte, sie sei „ernsthaft besorgt“ über die Vorwürfe, und kündigte eine genaue Prüfung der Beschwerden an.

Die Wahllokale hatten am Donnerstag um 22.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) geschlossen. Vorab war ein knapper Wahlausgang vorausgesagt worden. Die Wahlbeteiligung lag Teilauszählungen zufolge bei 64,7 Prozent.

dpa/ap