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Deutschland / Welt Griechenland wagt sich wieder an den Kapitalmarkt
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15:46 09.04.2014
Athen kündigt erstmals wieder Ausgabe von Staatsanleihen an. Quelle: Oliver Berg
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Athen

Für Griechenland ist das ein wichtiger Schritt hin zum erhofften Abschied vom internationalen Hilfsprogramm.

Seit Griechenland im Jahr 2010 erstmals Finanzhilfe in Milliardenhöhe von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen musste, ist das finanzielle Überleben der Hellenen von den mit strengen Spar- und Reformauflagen verbundenen Hilfszahlungen abhängig. Zwar gab die Regierung in Athen in der Zwischenzeit mehrfach Anleihen von nur kurzer Laufzeit aus, die angekündigte Fünfjahresanleihe ist jedoch ein wichtiger Test für die Kreditwürdigkeit des Landes.

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Die Ankündigung über die Rückkehr an den Kapitalmarkt war erwartet worden. Welche Summe Griechenland dabei von privaten Investoren einsammeln will, teilte das Finanzministerium nicht mit. Sicher ist jedoch, dass die Zinsen dafür über den gesenkten Zinsen liegen, die das Land an den Euro-Rettungsfonds zahlen muss. Die Regierung in Athen hofft aber, nach Abschluss des am Jahresende auslaufenden zweiten Hilfsprogramms wieder ohne die internationalen Hilfskredite auszukommen, da die damit verknüpften Bedingungen das Land innenpolitisch vor eine Zerreißprobe stellen.

Seit 2010 durchlebte das Land turbulente Regierungswechsel, heftige  Proteste und Streiks sowie massenhafte Kritik aus dem Ausland. Auch am Mittwoch legte ein auf 24 Stunden angelegter Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend lahm: Schiffe und Fähren zu den Inseln  blieben am Morgen in den Häfen liegen. Auch die Bahn stellte den Dienst ein.

Griechenland war der erster Staat der Eurozone, der ein  Milliardenhilfspaket beantragen musste und gilt damit trotz hoher Schulden auch in vielen anderen Ländern als Ursprungsland der europäischen Schuldenkrise. Der Verbleib des Landes in der Eurozone stand zwischenzeitlich auf dem Spiel, ein Schuldenschnitt für private Investoren sorgte für massive Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten.

Die derzeit beruhigte Lage in der Eurozone will die Regierung in  Athen nun für die Rückkehr an den Kapitalmarkt nutzen. Dies wird in der Eurozone als eine von mehreren Nachrichten gesehen, die Hoffnung machen: Nach jahrelanger Rezession soll die griechische Wirtschaft in diesem Jahr wieder wachsen. Selbstbewusstsein schöpft die Regierung in Athen auch aus der Tatsache, dass Griechenland im  vergangenen Jahr erstmals seit 1948 einen Primärüberschuss erzielte, also ein Etatplus ohne Schuldendienst. Die Eurozone hatte Griechenland in diesem Fall weitere Maßnahmen zur Schuldenerleichterung in Aussicht gestellt.

Ob Griechenland der Ausstieg aus dem internationalen Hilfsprogramm  wirklich gelingt, ist aber noch offen. Geklärt werden muss etwa, ob  Athen trotz der Rückkehr an den Kapitalmarkt Anschlusshilfen nach Ende des aktuellen Programms in den Jahren 2015 und 2016 benötigt.  Unbeantwortet ist auch die Frage, wie der immer noch erdrückende griechische Schuldenberg auf ein tragbares Maß reduziert werden kann.

afp

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