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Deutschland / Welt Große Länder setzen auf Atomenergie
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Große Länder setzen auf Atomenergie
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08:31 09.03.2012
Foto: Weltweit sind derzeit 436 Kernreaktoren am Netz.
Weltweit sind derzeit 436 Kernreaktoren am Netz. Quelle: dpa
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Berlin

Berlin. Rund um den Globus werden ganz unterschiedliche Schlussfolgerungen aus dem Unglück von Fukushima gezogen. Nur wenige Länder, etwa die Schweiz, Belgien oder Italien, schlagen ebenfalls den Weg des Totalausstiegs wie Deutschland ein oder geben Atomkraftpläne auf. In Japan sind von einst 55 Kernreaktoren zurzeit nur noch zwei am Netz. Und auch diese beiden sollen im April heruntergefahren werden. Das Land kam im vergangenen Jahr mit rund 18 Prozent weniger Strom aus.

Aber über die Zukunft der Atomkraft wird seit dem Unglück von Fukushima heftig gestritten. Zwei neue Reaktoren befinden sich im Bau. Doch fast zwei Drittel der Japaner blicken inzwischen kritisch auf die Atomkraft. Der AKW-Betreiber Tepco dringt gleichwohl auf eine Renaissance der Kernkraft. Zumal das Land mit den notwendig gewordenen gewaltigen Energieimporten, etwa Kohle aus Australien, Gas aus Russland oder Öl aus der Golfregion, seit Jahren erstmals eine negative Handelsbilanz einfuhr. Das kratzt am Selbstbewusstsein.

Viele Länder haben handfeste Atompläne oder bauen schon neue Reaktoren. Spitzenreiter in der Neubaustatistik ist China mit 26 neuen Atomkraftwerken. Allerdings handelt es sich dabei um die Realisierung von bereits vor Fukushima begonnenen Projekten. Nach der japanischen Katastrophe wurden alle AKW-Neubauten auf ihre Sicherheit überprüft. Und neue Vorhaben wurden seitdem nicht mehr genehmigt. Auch im gleichfalls ernergiehungrigen Indien wird auf Atomenergie gesetzt. Hier entstehen derzeit sieben neue Atomkraftwerke, zumeist russischer Bauart.

Auf ein ungebremstes Wachstum der Atomkraft setzt auch Moskau. In Russland sind weitere zehn Anlagen im Bau. Auch Pakistan baut zwei, Südkorea drei und Taiwan zwei Anlagen. Neue Reaktoren sind ebenfalls in Europa zu erwarten. Die Ukraine, Bulgarien oder die Slowakei bauen je zwei Reaktoren, Frankreich und Finnland ein neues Kernkraftwerk. Und in Polen ist man wild entschlossen, die ersten zwei Reaktoren in Angriff zu nehmen. Die Schwellenländer Brasilien und Argentinien wollen ebenfalls je einen neuen Kernreaktor bauen. Und in den USA, wo 104 ältere Reaktoren in Betrieb sind, wurde erstmals seit dem Unfall von Three Mile Island im Jahre 1979 der Bau von zwei neuen AKWs genehmigt.

Doch was auf den ersten Blick wie eine Renaissance der Atomenergie aussieht, halten Experten für einen Ausgleich für zumeist seit Jahrzehnten laufende Anlagen. Im Frühjahr 2012 waren weltweit 436 Kernreaktoren am Netz, das waren sogar acht weniger als im Atomkraft-Rekordjahr 2002. Eine Wiedergeburt der Atomkraft sehe anders aus, urteilt der Nuklearexperte Mycle Schneider.

Reinhard Zweigler

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