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Deutschland / Welt Grün in der Zange von Schwarz und Rot
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13:57 24.10.2010
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Die Grünen rüsten sich für eine neue Art des Wahlkampfs: Im Superwahljahr 2011 mit seinen sechs Landtagswahlen wird die Partei erstmals an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen müssen - gegen Union und SPD. Grünen-Chefin Claudia Roth schwört ihre Partei darauf ein: „Das wird brutal hart. Das wird heftig“, sagt sie am Wochenende beim bayerischen Landesparteitag in Würzburg.

Die Grünen wollen nicht mehr per se Juniorpartner sein. Sie beanspruchen eine gleichberechtigte Führungsrolle neben Schwarz und Rot. Der Landesparteitag ist zwar in Bayern, doch steht Bayern derzeit nicht im Mittelpunkt der grünen Überlegungen. Im Freistaat wird erst 2013 wieder gewählt.

Viel wichtiger sind derzeit Baden-Württemberg und Berlin. Sowohl im Südwesten als auch in der Bundeshauptstadt wollen die Grünen die Wahlen gewinnen. „Wir kämpfen in Berlin und Baden-Württemberg um den Sieg und spielen nicht auf Platz“, gibt Roth als Parole aus.

Das ergibt eine eigenartige Gefechtslage: Die SPD wird zu einem Hauptgegner, bleibt aber Wunschpartner. Schwarz-grüne Fantasien werden in Würzburg beerdigt: „Unglaublich weit“ sei die Union derzeit von den Grünen entfernt, sagt Roth.

Doch die leidenden Sozialdemokraten wollen ihrerseits nicht zu Claudia Roths Juniorpartner degradiert werden. Einen Vorgeschmack der kommenden Kämpfe lieferte der bayerische SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold kurz vor dem Würzburger Parteitag. „Die Grünen sind ein bisschen die Chinesen der deutschen Politik: Sie kopieren alles“, schimpfte Pronold. Der Kern des SPD-Vorwurfs: Die Grünen seien eine „Dagegen-Partei“ - also Protestpartei - und hätten keine eigene Substanz.

Und im Bundestag wird auch der Ton der Union schärfer, wie Roth sagt. Manche Grüne seien gar nicht mehr daran gewöhnt, hart kritisiert zu werden. Aber: „Die Schonzeit ist vorbei.“

Zweite Hauptaufgabe für die Grünen: Der Einzug in die Landtage von Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Insbesondere der Osten ist grüne Diaspora. Sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern haben die Grünen nur jeweils wenige hundert Mitglieder.

Da gerät Bayern fast in den Hintergrund, obwohl der Freistaat sich in den vergangenen Jahren zur zweiten grünen Hochburg im Süden neben Baden-Württemberg entwickelt hat. Auch im weiß-blauen Freistaat ist klar, dass die Phase der schwarz-grünen Annäherung beendet ist. „Mit diesen Sprüchen und diesen Personen ist das unvorstellbar“, sagt Landtagsfraktionschefin Margarete Bause über CSU-Chef Horst Seehofer und seine Forderung nach einem Zuzugsstopp für Arbeitskräfte aus fremden Kulturkreisen.

Für die Bayern-Wahl 2013 haben sich die Grünen jetzt schon ein historisches Ziel vorgenommen - die Verbannung der seit mehr als einem halben Jahrhundert regierenden CSU in die Opposition.

Doch bei allem Optimismus bleibt die Furcht, dass sich das derzeitige grüne Hoch als Chimäre erweisen könnte. Denn auch die Grünen wissen, dass sie die hohe Zustimmung keineswegs nur eigener Stärke zu verdanken haben. „Wir sind auch so gut, weil die anderen so schlecht sind“, gesteht die bayerische Landeschefin Theresa Schopper ein.

dpa