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Deutschland / Welt Grüne sehen Gefahr für 30.000 Jobs im Windkraft-Sektor
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Grüne sehen Gefahr für 30.000 Jobs im Windkraft-Sektor
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23:02 26.04.2010
Nur ein Alibi-Projekt? „Alpha Ventus“ – der jüngste Stromlieferant in der Nordsee. Quelle: dpa
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Sind die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten 30 000 neuen Arbeitsplätze durch Windenergie an der Nord- und Ostsee nur in den Wind gesprochen? Die Grünen fürchten, dass aus dem Ausbau der Windparks nichts wird, wenn die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängert werden – und die Stromkonzerne ihr Interesse an den Kapazitäten der neuen Offshore-Anlagen verlieren.

Die Arbeitsplätze sollen beim Bau von 40 Offshore-Windparks entstehen. Zudem sind bereits mehrere hundert Millionen Euro Steuergelder in den Bau von Häfen, Gewerbegebieten und Infrastruktur investiert worden. In Niedersachsen haben vor allem die Städte Emden und Cuxhaven sowie das angrenzende Bremerhaven große Anstrengungen unternommen, um für den Windmühlenboom gewappnet zu sein. Nach einer internen Studie des Bundesumweltministeriums haben sich die großen Stromkonzerne (darunter RWE, e.on und Vattenfall) jedoch 70 Prozent der möglichen Offshore-Kapazitäten gesichert. Wenn es zu einer Laufzeitverlängerung kommt, werden bis zum Jahr 2030 die Kernkraftwerke ihren hohen Anteil an der Stromerzeugung behalten. In der gleichen Zeit sollten nach dem Plan der Bundesregierung die Windenergie die Leistung von rund zehn Kernkraftwerken ersetzen.

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Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, hält nun den Stromkonzernen vor, sie hätten kein Interesse, die Offshore-Anlagen tatsächlich auszubauen. „Denn nachdem die Atommeiler am Netz bleiben, würden die zusätzlichen Windanlagen für ein Überangebot auf dem Strommarkt sorgen, und dies wiederum würde die Preise in den Keller schicken. Ohne Not werden e.on und RWE ihre eigenen Bilanzen nicht ruinieren“, sagte Höhn dieser Zeitung. Das bereits fertiggestellte Projekt „Alpha ventus“ ist nach den Worten Höhns ein Alibi-Projekt: „Darüber hinaus passiert kaum etwas bei den mittlerweile 26 genehmigten Windparks auf dem Meer.“

Belegt wird diese Auffassung durch einen Vermerk des Bundesumweltministeriums, in dem es unter Bezug auf den Erwerb der Offshore-Kapazitäten durch die AKW-Betreiber heißt: „Die genehmigten Projekte in Nord- und Ostsee, die von e.on und Vattenfall gekauft worden sind, machen seitdem keine großen Fortschritte mehr.“ In einem weiteren Vermerk wird darauf verwiesen, dass die notwendigen Stromleitungen für einen Windpark, der im kommenden Jahr starten soll, längst hätten beantragt werden müssen.

Die millionenteuren Investitionen in Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern drohen nach Höhns Auffassung zu versanden: „ Niedersachsen droht hier der Hauptverlierer zu werden.“

Reinhard Urschel