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Deutschland / Welt Guttenberg isoliert sich in der CSU
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23:13 24.11.2011
 Vieles spricht dafür, dass Karl-Theodor zu Guttenberg ein politisches Comeback ersehnt. Doch er muss sich entscheiden: innerhalb seiner CSU - oder außerhalb. Quelle: dpa
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München/Usti

Eine Rückkehr Karl-Theodor zu Guttenbergs auf die politische Bühne würde derzeit nicht nur das Wahlvolk in zwei Lager spalten, sondern auch seine eigene Partei. Zwar hat die CSU im heimischen Oberfranken den Bundestagsstimmkreis Kulmbach-Lichtenfels bislang faktisch für Guttenberg reserviert: Er hat noch ein halbes Jahr Zeit, sich zu erklären. Doch der rote Teppich für „KT“ würde an der oberfränkischen Bezirksgrenze enden. An der CSU-Basis im restlichen Bayern ist eine Wiederkehr Guttenbergs nach Angaben von CSU-Politikern derzeit kein Thema.

Guttenberg war vor neun Monaten wegen der Plagiatsaffäre als Verteidigungsminister zurückgetreten. Es hatte sich herausgestellt, dass er zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit von anderen Autoren übernommen hatte, ohne dies kenntlich zu machen. Seine Comeback-Chancen in der CSU hat er nun gerade selbst erheblich verkleinert: Er spricht der CSU in einem Interview der „Zeit“ den Anspruch ab, Volkspartei zu sein und liebäugelt mit einer neuen Partei - die der Union Konkurrenz machen würde. „Ich glaube, ... dass eine solche Gruppierung am ehesten in der Mitte Erfolg haben könnte, nicht an den Rändern des politischen Spektrums.“

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Parteichef Horst Seehofer ist höchst verärgert. Am Rande seines Tschechien-Besuchs nennt er Guttenbergs Parteienkritik „völlig daneben“. Es sei kein guter Stil, wenn alles und jeder herabgesetzt werde, um selbst erhöht zu werden.

Dabei sind Guttenbergs Parteifreunde im Nordosten Bayerns eigentlich mehr als bereit, die Wiederkehr des Barons zu ermöglichen. „In Oberfranken gibt es eine tiefe Sehnsucht“, erklärte der Wunsiedeler Landtagsabgeordnete Martin Schöffel am Donnerstag - vor Bekanntwerden des Interviews. Der künftige Lichtenfelser Landrat Christian Meißner - einst Büronachbar Guttenbergs - sagte: „Wenn er wiederkommen mag, darf er. Und ich bin überzeugt, er würde auch gewählt.“ Bisher habe in der örtlichen CSU auch kein anderer Interesse an dem verwaisten Bundestagssitz bekundet.

Sollte Guttenberg von seinen oberfränkischen Parteifreunden tatsächlich wieder für den Bundestag nominiert werden, könnte Seehofer dagegen gar nichts machen, wie CSU-Politiker sagen. Die Gliederungen der CSU sind in der Kandidatenaufstellung autonom. Doch was aus einem Bundestagsrückkehrer Guttenberg werden könnte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ein sofortiger Spitzenposten jedenfalls wäre nicht in Sicht - eher die Hinterbank.

CSU gibt sich wortkarg

Manche CSU-Schwergewichte sind beim Thema Guttenberg ohnehin ziemlich wortkarg. „Ich sehe überhaupt keinen großen Anlass, darüber zu diskutieren“, sagt etwa Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. An der CSU-Basis in Mittelfranken sei Guttenberg in den vergangenen Wochen gar kein Thema gewesen - „weder negativ noch positiv“. Ähnlich äußert sich Umweltminister Marcel Huber: „Wir haben so viele andere Themen, dass über Guttenberg kaum diskutiert wird.“

Mehrere CSU-ler geben in unterschiedlichen Formulierungen zu bedenken, dass die „Abklingphase“ aus ihrer Sicht noch viel zu kurz sei. „Er bringt sich selber ins Gespräch, aber das ist viel zu früh“, meint ein bayerisches Kabinettsmitglied.

So scharfe Kritik an Guttenberg wie in Tschechien hat Seehofer öffentlich noch nie geäußert. Bislang sandte der Parteichef in- und außerhalb der Partei unterschiedliche Botschaften aus. Öffentlich betonte der CSU-Chef in den vergangenen Monaten mehrfach, Guttenberg gehöre zur Familie. Intern dagegen sagt Seehofer auch andere Dinge. So machte der Vorsitzende nach Angaben von Parteifreunden kein Geheimnis aus seiner Kritik an der Bundeswehr-Reform.

In einer Sitzung der CSU-Landtagsfraktion betonte Seehofer am Mittwoch nach Teilnehmerangaben, dass die Partei derzeit gut aufgestellt und nicht auf Guttenberg angewiesen sei. Manche CSU-Politiker glauben, dass Guttenberg in diesem Jahr ohnehin in Schwierigkeiten gekommen wäre - wenn er die ungeliebte Bundeswehr-Reform hätte selbst vertreten müssen.

Seehofer ist zudem umringt von einem Kreis potenzieller Kronprinzen und -prinzessinnen, die sämtlich von Guttenberg überstrahlt wurden. Ein Comeback-Versuch würde sie demzufolge nicht übermäßig begeistern.

frx/dpa

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