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Deutschland / Welt „Bundeswehr ist kein Familienunternehmen“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Bundeswehr ist kein Familienunternehmen“
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00:15 15.01.2014
Generalinspekteur Harald Kujat ist in Sachen Familienpolitik ganz anderer Meinung als Ursula von der Leyen. Quelle: HAZ (Archiv)
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Berlin

Herr Kujat, kann aus der Bundeswehr ein Familienunternehmen werden?
Nein, natürlich nicht. Die Ministerin bewegt sich mit ihren jüngsten Forderungen auf einem ihr vertrauten Terrain. Als ehemalige Familienministerin kennt sie die Problemlösungen. Das ist nicht falsch. Die Bundeswehr hat ein großes Personalproblem, das 2014 immer deutlicher werden wird. Die Steigerung der Attraktivität der Bundeswehr ist dabei ein Teilaspekt, aber die Schwierigkeiten bei der Personalfindung gehen viel tiefer. Da muss sich die Ministerin noch in die Materie richtig reinknien. Ich hoffe, dass sie nicht wie bisher fatalistisch nur auf den demografischen Faktor verweist.

Bisher gibt es nur Überschriften wie Teilzeitarmee, Kita-Truppe und so weiter. Glauben Sie an wirkliches politisches Handeln?
Na ja! Im Moment bringt Frau von der Leyen das ins neue Ministerium ein, was sie von früher her gut kennt. Die Bundeswehr wird nie ein normaler Betrieb sein können. Vieles von dem, was die Ministerin vor hat, wird sich so oder überhaupt nicht realisieren lassen. Aber gut ist, dass sich überhaupt etwas tun soll. Die Bundeswehr muss auch familienfreundlicher werden, sie muss auch attraktiver für Bewerber werden. Aber man sollte nicht vergessen, dass gerade bei einer Armee, die sich im Einsatz befindet, in erster Linie auch Ausrüstung und Bewaffnung stimmen müssen. Die Soldaten brauchen das Gefühl, dass sie das Material auch bekommen, das sie zur guten und sicheren Erfüllung ihres Auftrages benötigen.

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Ist das von ähnlich großer Bedeutung wie die Steigerung der Familienattraktivität?
Na klar. Familienattraktivität ist gut und wichtig. Aber die Bundeswehr ist eine Armee im Einsatz und da ist die Frage der guten und sicheren Ausrüstung und Bewaffnung von entscheidender Bedeutung. Die Ministerin sollte wissen, bei der Bundeswehr muss vom Einsatz her gedacht werden. Deshalb hätte ich der Ministerin auch geraten, sich zunächst einen Gesamtüberblick über die Bundeswehr zu verschaffen, um dann zu entscheiden, wo brennt es wirklich. Ihr Vorgänger, Thomas de Maizière, hat ihr eine ganze Palette von Problemen hinterlassen. Dann könnte man auch beurteilen, ob die Ministerin wirklich die richtigen Schwerpunkte setzen will. Aber noch mal: Es ist nicht falsch, die Attraktivität der Bundeswehr angesichts des ganz großen Personalproblems auch durch mehr Familienfreundlichkeit zu erhöhen.

Interview: Dieter Wonka

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