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Deutschland / Welt Heftige Proteste nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses in Haiti
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Heftige Proteste nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses in Haiti
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17:43 08.12.2010
Anhänger der Präsidentschaftskandidatin Mirlande Manigat protestieren. Quelle: ap
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Das Ergebnis der Präsidentenwahl in Haiti droht einen Aufstand in dem Karibik-Staat auszulösen. Bei landesweiten Ausschreitungen kamen zwei Menschen ums Leben. Vor allem Anhänger des populären Musikers Michel Martelly fühlen sich betrogen, der in der ersten Runde am 28. November ausschied. Er lag nur knapp hinter dem Regierungskandidaten Jude Celestin, der im Januar in der Stichwahl auf die Rechtsprofessorin Mirlande Manigat triff.

Am Mittwochmorgen strömten tausende wutentbrannte Menschen zum Sitz des Provisorischen Wahlrates in der Hauptstadt Port-au-Prince, wo bereits am Abend zuvor Barrikaden errichtet worden waren. Sie skandierten „Wir wollen Michel Martelly“ und „Wir wollen unser Recht“. Dazwischen standen UN-Blauhelme, um in dem Chaos für Ordnung zu sorgen. Büros in der Nähe gingen in Flammen auf.

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Bereits am Dienstagabend waren in Port-au-Prince nach der Bekanntgabe des Ergebnisses tausende aufgebrachte Menschen auf die Straßen gezogen. Sie steckten Reifen in Brand und plünderten Geschäfte. Nach Angaben des Senders Signal FM griff die Polizei im Stadtteil Petion Ville ein, um die Proteste zu beenden. Auch Schüsse waren zu hören. In anderen Städten gab es ebenfalls Unruhen. In der Stadt Les Cayes starben nach Angaben des Senders zwei Menschen.

Auf Manigat, die Frau des ehemaligen Präsidenten Leslie Manigat, entfielen laut der Wahlkommission 31,37 Prozent der Stimmen, auf Celestin 22,48 Prozent. Martelly landete mit 21,89 Prozent knapp hinter dem Zögling von Präsident René Préval.

Angesichts des Volkszorns schaltete sich die US-Botschaft in Haiti in den Konflikt ein und äußerte Zweifel am Wahlausgang. „Wie andere, so ist auch die Regierung der Vereinigten Staaten besorgt über die Wahlmitteilung des Provisorischen Wahlrates, die nicht mit den Ergebnissen des Nationalen Rates der Wahlbeobachter übereinstimmt“, teilte die US-Botschaft mit. „Die USA und die internationale Gemeinschaft sind bereit, die Unregelmäßigkeiten genau zu überprüfen, um zu Ergebnissen zu kommen, die dem Willen des haitianischen Volkes entsprechen, den es mit seinen Stimmen zum Ausdruck gebracht hat.“

Martelly war zuletzt als einer der Favoriten um die Nachfolge von Préval gehandelt worden. Seit den chaotischen Wahlen vom 28. November war es mehrfach zu Protesten gegen Unregelmäßigkeiten gekommen. Die Opposition wirft der Regierungspartei Inité vor, die Wahl zugunsten ihres Kandidaten Celestin gefälscht zu haben.

Dennoch bestand die haitianische Wahlbehörde auf Anerkennung des Wahlprozesses. Sie wurde dabei von den UN und der Organisation der Amerikanischen Staaten unterstützt. Der Chef der UN-Mission Ministah, Edmond Mulet, hatte wiederholt bekräftigt, dass es für den Wiederaufbau des vom Erdbeben zerstörten Landes, das zudem noch unter einer Cholera-Epidemie leide, unerlässlich sei, rasch eine neue handlungsfähige Regierung zu haben.

dpa/dapd

Dieser Artikel wurde aktualisiert.