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Deutschland / Welt Heiße Phase des Klimagipfels beginnt mit vielen Fragezeichen
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19:43 15.12.2009
Quelle: AFP
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Kurz vor Beginn der heißen Phase bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen steigt die Nervosität. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich am Dienstag besorgt über den Verhandlungspoker auf der Weltklimakonferenz in Kopenhagen. „Ich will nicht verhehlen, dass ich schon etwas nervös bin, dass wir das alles schaffen“, sagte sie anlässlich des Besuchs des indonesischen Staatspräsidenten Susilo Bambang Yudhoyono in Berlin. Unterdessen legte die dänische Präsidentschaft einen neuen Verhandlungsentwurf für den Teil der Beratungen vor, in dem die langfristigen Klimaschutzziele zusammengefasst werden.

Am Mittwoch werden die Verhandlungen über ein neues Klimaschutzabkommen auf Ministerebene fortgeführt, am Donnerstag treffen mehr als 110 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen ein. Wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mitteilte, stimmten Merkel, US-Präsident Barack Obama, der französische Präsident Nicolas Sarkozy sowie der britische Premier Gordon Brown ihr Vorgehen am Mittag in einer gemeinsamen Videokonferenz ab. Bis Ende der Woche soll ein neues Abkommen stehen.

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In einer ersten Reaktion auf den neuen Entwurf äußerte die Hilfsorganisation Oxfam deutliche Kritik. Es habe Fortschritte im Detail gegeben, alle wesentlichen Fragen seien jedoch unbeantwortet geblieben, bemängelte Oxfam. „Wie leichtfertige Handwerker, die versuchen ein Haus zu bauen bevor sie das Fundament legen, haben die Verhandler zwei Jahre damit verbracht, ein Abkommen ohne jegliche Einigung auf die großen Themen zusammenzustückeln“, sagte Jeremy Hobbs von Oxfam International.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte sich zuvor vorsichtig optimistisch gezeigt. Einerseits werde zwar viel Zeit mit Verfahrensfragen und dem Austausch bereits bekannter Fragen verschwendet, dennoch seien die Beratungen „im Plan“, sagte der Minister. Röttgen leitete eine der fünf Arbeitsgruppen, die am Montag nach einer vorübergehenden Blockade der Verhandlungen durch die Entwicklungsländer ins Leben gerufen wurden. Inhalt dieser Gruppe war die Zukunft des Kyoto-Protokolls, dessen Verpflichtungsperiode Ende 2012 ausläuft.

Röttgen machte deutlich, dass das Kyoto-Protokoll nur eine vorübergehende Lösung sein solle und bezeichnete dieses als “Übergang sei zu einem einheitlichen, rechtlich-verbindlichen, alles umfassenden Regelwerk, das die langfristigen Ziele sicherstellt“. Bis 2050 müssten die Emissionen weltweit um die Hälfte reduziert werden, um zu verhindern, dass die Erderwärmung um mehr als zwei Grad ansteige.

Auch Merkel bekräftigte das sogenannte Zwei-Grad-Ziel. Dies sei der entscheidende Maßstab für die Festlegung der Reduktionsziele für Industriestaaten und Schwellenländer bis 2020 und darüber hinaus, sagte die Kanzlerin. Sie hatte sich zuvor mit Vertretern der pazifischen Inselstaaten Kiribati, Marshallinseln, Mikronesien, Palau, Samoa, Tuvalu, Tonga und Vanuatu getroffen. Diese Staaten sind vom Klimawandel besonders betroffen und werben für ein ehrgeiziges Ergebnis des Kopenhagener Gipfels.

Nach Einschätzung von Yvo de Boer, dem Leiter des UN-Klimasekretariats, befinden sich die Verhandlungen in einer entscheidenden Phase. „Wir haben Fortschritte in einer Reihe von Bereichen gemacht, aber wir haben noch nicht genug gesehen“, sagte er. Die Konferenzpräsidentin Connie Hedegaard forderte insbesondere Fortschritte bei den langfristigen finanziellen Zusagen. „Es reicht nicht aus, über kurzfristige Gelder zu sprechen“, sagte sie. Außerdem sei es wichtig, dass am Ende die USA im Boot seien. Dies mache den Unterschied zu Kyoto aus.

ddp

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