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Deutschland / Welt Henning Mankell spricht über blutigen Einsatz der Israelis
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Henning Mankell spricht über blutigen Einsatz der Israelis
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18:43 03.06.2010
Der Autor Henning Mankell schildert am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin seine Erlebnisse während der Fahrt des Schiffs-Konvois nach Gaza. Quelle: dpa
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Der 62-Jährige packt vor der versammelten Presse seine Müdigkeit beiseite, um zu berichten, was sich am Montag bei dem blutigen Einsatz der Israelis gegen die Gaza-Hilfsflotte abgespielt hat. Was genau passierte, ist umstritten.

Jetzt gibt es Mankells Version. „Ich werde ihnen nichts erzählen, was nicht wahr ist“, verspricht der Krimi-Autor in der Volksbühne, wo er am Abend seine verspätete Lesereise beginnen wollte. Die Soldaten, die sein Schiff, die „Sofia“, enterten, seien sehr aggressiv, maskiert und mit Maschinengewehren bewaffnet gewesen. Ein älterer Mann, der nicht schnell genug reagierte, sei mit einem Elektroschocker attackiert worden.

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An Land war sich der Schöpfer von Kommissar Wallander sicher, dass die Israelis wussten, wen sie vor sich hatten. An Bord von Mankells Schiff waren nach dessen Worten 25 Menschen, darunter ein schwedischer Abgeordneter der Grünen und ein Arzt, zur Ladung gehörte Material für den Hausbau.

Er sei um 4.00 Uhr morgens geweckt worden und habe von dem Angriff erfahren. Die attackierte „Mavi Marmara“, das größte Schiff der Flotte, auf dem es die Toten gab, habe in einem Kilometer Entfernung gelegen. Er habe Schüsse gehört und Hubschrauber gesehen. Gegen 4.45 Uhr sei dann sein Boot gestürmt worden. Die Soldaten hätten Rasiermesser und Kartonschneider gefunden und diese als Waffen deklariert.

Sein Schiff sei zwei Stunden von der Seegrenze zu Israel entfernt gewesen. „Wir wurden auf internationalen Gewässern angegriffen.“ Mankell wiederholt seinen Vorwurf, der Marineeinsatz sei Piraterie gewesen. Er hält eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag für möglich.

An Land habe Mankell zwischen Spalieren von Soldaten eine Art Spießrutenlauf absolvieren müssen. Vorgeworfen wurde ihm demnach, Israel illegal betreten zu haben. Persönliche Gegenstände und Kleidung wurden ihm abgenommen, „gestohlen“, sagt er. Beim Rückflug in der ersten Klasse der Lufthansa versorgte ihn eine Stewardess mit einem Paar Socken.

Von den Toten erfuhr Mankell erst zwei Tage später auf der Heimreise. Er legt Wert darauf, kein Antisemit zu sein und zeigt sich kritisch gegenüber der Hamas. Immer wieder sagt der Schriftsteller, wie wichtig der Dialog sei. In die Ecke des blauäugigen Aktivisten, der vielleicht sogar indirekt Terroristen unterstützt, will er sich nicht drängen lassen. „Ich bin nicht naiv.“

Mankell berichtet erfreut, dass ihn ein Journalist der israelischen Zeitung „Haaretz“ interviewen will. Am Ende der Pressekonferenz sagt der Schriftsteller, Akte der Solidarität, die Welt zu verbessern, seien immer noch möglich. Draußen können sich die Journalisten die Pressemappe zum neuen Wallander-Buch mitnehmen. Und Mankell lässt nicht locker: Im Herbst will er an einer Hilfsflotte der internationalen Free-Gaza-Bewegung teilnehmen, sagt er der Zeitung „Junge Welt“ (Freitag).

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dpa

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